NARRATIV-CHECK

Was hinter radi­ka­li­sie­renden Botschaften steckt.

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NARRATIV-CHECK

Was hinter radikalisierenden
Botschaften steckt.

Was Esoterik Macht
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GLOSSAR

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Alter­na­tive Heil­me­thoden (auch Alternativmedizin)

Als „alter­na­tive Heil­me­thoden“ gelten Behand­lungs­an­sätze jenseits der Schul­me­dizin. Die Band­breite ist groß und reicht von Homöo­pa­thie über Bach-Blüten­the­rapie bis zu anthro­po­so­phi­scher Heilkunde. Die Wirk­sam­keit der Anwen­dungen ist meist weder wissen­schaft­lich noch phar­ma­ko­lo­gisch belegt. Die Natur gilt oft als Ursprung des mensch­li­chen Orga­nismus und steht im Zentrum eines „ganz­heit­li­chen“ Ansatzes, der von der Einheit von Körper, Geist und Seele ausgeht. So sollen bestimmte Ansätze einen als gestört iden­ti­fi­zierten Ener­gie­fluss des Körpers wieder­her­stellen und zur Heilung beitragen. Viele „alter­na­tive Heil­me­thoden“ sind umstritten – wegen direkter gesundheit­licher Risiken, dem even­tu­ellen Versäumen notwen­diger Therapien, gene­reller Skepsis gegenüber medi­zi­ni­scher Diagnostik oder Versatz­stü­cken aus verschwörungsideo­logischen oder > anti­mo­dernen Ideologien.

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Anastasia – die Bewegung

Der russische Autor Waldimir Megre gründete in den 1990er Jahren eine neure­li­giöse, recht­se­so­te­ri­sche Bewegung, die ihre Ideologie nach den Anastasia-Büchern richtete. So entstanden in Russland Sied­lungen mit mehreren hundert Familien. Die Sied­lungen im länd­li­chen Raum knüpfen an Ideen der Romantik oder Lebens­re­form­be­we­gung an. Auch im deutsch­spra­chigen Raum verbrei­tete sich die Buchreihe nach ihrer Über­set­zung ab 1999 und ist heute über recht­se­so­te­ri­sche Kreise hinaus bekannt. Die anti­se­mi­ti­schen, rassis­ti­schen und frau­en­feind­li­chen Ansätze des Romans, genauso wie der reak­tio­näre Lebens- und Gesell­schafts­ent­wurf, bieten Anschluss­punkte an extrem rechte Ideo­lo­gien. Die Buchreihe gab auch der rechts­extremen Anastasia-Bewegung in Deutsch­land ihren Namen, zu der Sied­lungen an etwa 20 Stand­orten zählen.

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Anastasia – die Buchreihe

Die zehn­bän­dige fiktive Roman­reihe „Anastasia – Die klin­genden Zedern Russlands“ des russi­schen Autors Wladimir Niko­la­je­witsch Megre ist zwischen 1996 und 2010 erschienen. Sie handelt von der jungen Frau Anastasia, die abseits der Zivi­li­sa­tion in der russi­schen Taiga allein im Wald lebt, in ideal­ty­pi­scher geistiger Verbin­dung mit Natur, Tieren und Kosmos. Das urbane Leben wird mit diesem Ideal des natur­nahen, spiri­tu­ellen Daseins kontras­tiert. Ebenso finden sich regres­sive Anlei­tungen zum Geschlech­ter­ver­hältnis, Gesund­heit oder Kinder­er­zie­hung. „Anastasia“ verbreitet nicht nur einen reak­tio­nären Lebens- und Gesell­schafts­ent­wurf, sondern auch anti­se­mi­ti­sche, rassis­ti­sche und frau­en­feind­liche Ansätze, die an rechts­extreme Ideo­lo­gien anschließen.

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Anthro­po­so­phie

bezeichnet eine von Rudolf Steiner (1861–1925) begrün­dete esote­ri­sche Welt­an­schauung mit wissen­schaft­li­chem Selbst­ver­ständnis. Basierend auf Schriften und Vorträgen Steiners, wird eine ganz­heit­liche und über­sinn­liche Deutung des Kosmos, der Mensch­heit und der Mensch­heits­ent­wick­lung beschrieben. Obwohl Steiner anfangs eng mit der > Theo­so­phi­schen Gesell­schaft verbunden war, kam es 1913 zur Abspal­tung und Gründung der Anthropo­sophischen Gesell­schaft. Bis heute finden anthro­po­so­phi­sche Prin­zi­pien in Praxis­fel­dern wie Pädagogik (> Waldorf­schulen), Land­wirt­schaft, Medizin und Archi­tektur Anwendung. Ab den 2000er Jahren gab es immer wieder Debatten um Rassismus und Anti­se­mi­tismus in Steiners Werk.

 

Anti­mo­der­nismus

ist eine gegen die Moderne gerich­tete philo­so­phi­sche und gesell­schaft­liche Strömung. Das 19. und der Beginn des 20. Jahr­hun­derts sind in Europa durch einen tief­grei­fenden Wandel geprägt: Urba­ni­sie­rung, tech­no­lo­gi­sche Entwick­lungen, Säku­la­ri­sie­rung, Verwis­sen­schaft­li­chung, Beschleu­ni­gung, Plura­li­sie­rung und Indi­vi­dua­li­sie­rung. Der rasante Fort­schritt führte auch zu einem Unbehagen, das in verschie­denen poli­ti­schen und spiri­tu­ellen Bewe­gungen aufge­griffen und als „Entfrem­dung“ von einem als natür­li­chen vorge­stellten Urzustand konsta­tiert wird. Anti­mo­der­nismus ist durch Denken in Gegen­sätzen geprägt: Mythos gegen Vernunft, Kultur gegen Zivi­li­sa­tion, Gemein­schaft gegen Gesell­schaft, Volk gegen seelen­lose Massen­ge­sell­schaft. Die Sehnsucht nach einer Wieder­ver­zau­be­rung der Welt zeigte sich in einer neuen esote­ri­schen Reli­gio­sität, geprägt von Mysti­schem, Magischem und Irra­tio­nalem. Die Konzen­tra­tion auf den inneren Erfah­rungs­raum des Menschen eröffnete neue Möglich­keiten für Sinn- und Welt­deu­tungen ange­sichts viel­fäl­tiger Krisenlagen.

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Ario­so­phie

ist eine im 19. Jahr­hun­dert aufkom­mende geistige Strömung, in der sich esote­risch-okkulte Vorstel­lungen der > Theo­so­phi­schen Gesell­schaft mit völkisch-rassis­ti­schen und anti­se­mi­ti­schen Gesin­nungen vermischten. Die Ario­so­phie findet okkulte Begrün­dungen für die Ungleich­wer­tig­keit von Menschen und beschwört die Wieder­erwe­ckung einer mysti­schen „arischen Helden­rasse“ durch euge­ni­sche Praktiken. Besondere Bedeutung erhalten germa­ni­sche Runen­schriften, in denen laut Ario­so­phie ein uraltes Geheim­wissen verborgen sei, welches sich „Arier“ durch Körper­hal­tungen in Runenform aneignen könnten.

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Big Pharma als Verschwörungserzählung

geht von einer globalen und zentral gesteu­erten Phar­ma­in­dus­trie aus, welche die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung im Sinne ihrer eigenen Ziele mani­pu­liert. Als Gründe dafür gelten unter Verschwö­rungs­gläu­bigen ein angeblich über­mä­ßiges Profit­streben oder dunkle Machen­schaften mit dem Ziel der Kontrolle und Unter­wer­fung der Mensch­heit. Häufig gelten in diesem Kontext > „alter­na­tive Heil­me­thoden“ als eigent­lich wirksame Alter­na­tive zu „Big Pharma“.

 

Konspi­ri­tua­lität (auch Conspi­ri­tua­lity, Verschwörungsspiritualität)

bezeichnet eine Verschmel­zung von Verschwö­rungs­men­ta­lität und Esoterik. Verbin­dendes Element ist der Glaube daran, dass alles mitein­ander in Verbin­dung stehe. Die Weltsicht ist geprägt durch den Dualismus von Gut und Böse, Licht und Schatten sowie die Über­zeu­gung, dass eine im Geheimen agierende Gruppe versuche, die Welt zu kontrol­lieren. Konspi­ri­tua­lität ermög­licht die Poli­ti­sie­rung von Esoterik und ist ein Verbin­dungs­glied zu Anti­se­mi­tismus und Rechts­extre­mismus. Die Grund­skepsis gegenüber „offi­zi­ellen“ Darstel­lungen wird häufig mithilfe von Fehl­in­for­ma­tionen und dem Rückgriff auf „alter­na­tive“ Wissens­quellen untermauert.

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Neuhei­dentum (auch Neopaganismus)

ist ein Sammel­be­griff für verschie­dene Bewe­gungen, die sich ab dem 19. Jahr­hun­dert meist auf vorchrist­liche Natur­re­li­gionen zurück­be­sinnen und diese teilweise neu inter­pre­tieren. Zentral dabei sind die Wahrung, Förderung und Verbrei­tung nicht-christ­li­chen Glaubens und Brauch­tums, häufig begleitet von esote­risch-okkulten Praktiken wie Runen-Orakeln, Natur­magie oder Astro­logie. Neuheid­ni­sche Gemein­schaften können politisch liberal einge­stellt sein und sich für progres­sive Themen wie Femi­nismus oder Umwelt­schutz einsetzen. Jedoch zeichnen sich bestimmte Bewe­gungen wie die „Artge­mein­schaft“ immer wieder durch ihre > anti­mo­derne bis rechts­extreme Orien­tie­rung und mani­festen Rassismus und Anti­se­mi­tismus aus.

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Okkul­tismus

bezeichnet die Lehre vom Geheimen und Verbor­genen. Es ist ein Sammel­be­griff für ganz unter­schied­liche Phänomene, Praktiken und welt­an­schau­liche Systeme im Bereich des Esote­ri­schen, Para­nor­malen und Mysti­schen. Der moderne Okkul­tismus bezieht sich u.a. positiv auf Irra­tio­na­lismus und > Anti­mo­der­nismus. Okkulte Zirkel waren auch unter promi­nenten Mitglie­dern der NSDAP und natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideologen beliebt – diese Zirkel beschäf­tigten sich u.a. mit der rassis­ti­schen und anti­se­mi­ti­schen > Ario­so­phie. Gleich­zeitig ist nicht jeder Okkul­tismus rechts­extrem. Zu den verbrei­tetsten okkulten Praktiken gehören Karten­legen, Gläser­rü­cken, Pendeln oder schwarze Messen.

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QAnon

ist eine Verschwö­rungs­theorie mit rechts­extremem Hinter­grund, die in den USA entstanden ist. Der anonyme Nutzer „Q“ veröf­fent­lichte 2017 angeblich exklusive Infor­ma­tionen, wonach Donald Trump den „tiefen Staat“ einer geheimen Elite bekämpfen würde. Mit der Behaup­tung vom Blutkult eines welt­um­span­nenden Geheim­bundes nutzt QAnon rechts­extreme und anti­se­mi­ti­sche Versatz­stücke. Auch im deutsch­spra­chigen Raum ist die Verschwö­rungs­er­zäh­lung verbreitet. Blogs oder Messenger-Kanäle unter­schied­li­cher Reich­weite nehmen auf sie Bezug. Insbe­son­dere über Elemente der > Konspi­ri­tua­lität wird syste­ma­tisch an rechte Esoterik ange­knüpft. So bezogen sich der anti­se­mi­ti­sche Verschwö­rungs­ideo­loge Jan Udo Holey (alias Jan van Helsing) oder auch der rechte Esote­riker Jo Conrad auf Q‑Erzählungen.

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Theo­so­phi­sche Gesellschaft

Die Theo­so­phi­sche Gesell­schaft wurde 1875 von Helena P. Blavatsky (1831–1891) mitbe­gründet. Ihre okkulte anglo-indische Theo­so­phie gilt als einfluss­reichste neuzeit­liche Esote­rik­be­we­gung des 19. und frühen 20. Jahr­hun­derts und ist von der gleich­na­migen mystisch-reli­giösen Theo­so­phie zu unter­scheiden. Blava­tskys esote­ri­sche „Geheim­lehre“ ist von spiri­tis­ti­schem Denken sowie hindu­is­ti­schen und buddhis­ti­schen Vorstel­lungen beein­flusst. Sie vermit­telt eine über­sinn­lich erfahr­bare Welt­an­schauung, die die Essenz aller großen Reli­gionen und Philo­so­phien in sich vereine. Elemente, wie die Vorstel­lung kosmi­scher „Menschen­rassen“ (Wurzel­rassen) wurden von anderen Strö­mungen wie > Anthro­po­so­phie und > Ario­so­phie über­nommen und weiterentwickelt.

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Waldorf­schulen

sind staatlich aner­kannte Privat­schulen, in denen nach > anthro­po­so­phi­schen Prin­zi­pien und einer daraus folgenden Didaktik und Methodik unter­richtet wird. In der Vergan­gen­heit wurden immer wieder Verbin­dungen von einzelnen Waldorf-Lehr­kräften, ‑Ange­stellten oder Eltern­teilen zu rechts­extremen Netz­werken sowie völki­schen und verschwörungs­ideologischen Szenen bekannt. Der „Bund der Freien Waldorf­schulen“ distan­ziert sich in Stel­lung­nahmen von jeder Form des Rechts­extre­mismus, Rassismus und Natio­na­lismus. In Deutsch­land gibt es ca. 250 Waldorf­schulen, weltweit sind es über 1.000.

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