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Von der Schock­therapie zum Wirtschaftswunder?

16. November, 13:00 – 14:30 Uhr
in Präsenz

Venue

Zentrum Liberale Moderne
Reinhardtstraße 15, 10117 Berlin

Organizer

Datum: 16. November 2026
Zeit: 13:00–14:30 Uhr (Einlass ab 12:45)
Ort: Zentrum Liberale Moderne, Reinhardt­straße 15, 10117 Berlin 

In der Etablierung einer „neolib­eralen“ Wirtschaft­spolitik seit den 1990ern wird häufig eine Ursache für die aktuelle Krise der liberalen Demokratie ausgemacht. Haben die dadurch verur­sachten sozialen Verwer­fungen populis­tische Kräfte gestärkt, oder war der Abbau von Sozialleis­tungen eine notwendige Voraus­setzung, um die schwächelnde Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen?

Für die Beant­wortung dieser Frage lohnt ein Blick in die Visegrád-Staaten, wo radikale Trans­for­ma­tionen von realsozial­is­tischer Plan- zur freien Marktwirtschaft in Rekordtempo vollzogen wurden, allen voran mit der polnischen „Schock­therapie“. Zwar besserte sich die Lage der Wirtschaft daraufhin stetig, auch dank des EU-Beitritts der Länder, dem Zugang zum Binnen­markt und der Ansiedlung westeu­ropäischer Unternehmen, die die Region wegen des niedrigeren Lohnniveaus als verlängerte Werkbank nutzten. Die steigende Wirtschaft­sleistung setzte sich aber nur langsam in höhere Einkommen um. Sozialleis­tungen und Renten blieben lange auf niedrigem Niveau. Populis­tische Kräfte nutzten und nutzen dies, um mit staatlichen Inter­ven­tionen und Sozialpolitik Punkte zu machen.

Gerade in der Wirtschaft­spolitik zeigen sich heute enorme Unter­schiede zwischen liberalen, konser­v­a­tiven und populis­tischen Regierungen, die angesichts medial dominan­terer gesellschaft­spoli­tischer Konflikte wenig wahrgenommen werden. Wie wirken sich wirtschaftlicher Erfolg und Krisen auf die Wahler­folge liberaler und populis­tischer Parteien in den jeweiligen Ländern aus? Inwiefern beein­flussen populis­tische Regierungen die Ansiedlung inter­na­tionaler Unternehmen? Wo gibt es wirtschaft­spoli­tische Konti­nu­itäten, die das Hin und Her von Regierungswechseln liberaler und populis­tischer Regierungen überdauern?

Diese und weitere Fragen werden wir mit Michael Zürn, Politik­wis­senschaftler und PI beim Exzel­len­z­cluster SCRIPTS, Sebastian Płóci­ennik, Ökonom und geschäfts­führendes Vorstandsmit­glied der Stiftung deutsch-polnische Zusam­me­narbeit, und Maria Skóra, Politik­ber­a­terin und assozi­ierte Wissenschaft­lerin am Institut für Europäische Politik, disku­tieren. Stephan Stach, Leiter des Programms Liberale Demokratie bei LibMod, wird die Veranstaltung moderieren.

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Die Reihe 

Liber­al­ismus – Konser­vatismus – Populismus in Ostmit­teleuropa
Politische Konflik­tlinien und Wandel der politischen Kultur in den Visegrád-Staaten Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn 

Die politische Verortung der Visegrád-Staaten (V4) und ihrer Gesellschaften zwischen Liber­al­ismus, Konser­vatismus und autoritärem Populismus ist schwierig. Die politischen Mehrheiten pendeln seit Jahren mit meist knappen Mehrheiten dazwischen. In Polen besiegte dielib­erale Bürger­plat­tform 2023 die nation­alkon­ser­v­ative PiS. Die Präsi­dentschaftswahl 2025 gewann dann jedoch der Kandidat der PiS. In der Slowakei kehrte Linksna­tion­alist Robert Fico 2023 nach fünf Jahren an die Macht zurück. Die tschechischen Populisten Partei ANO unter­lagen 2021 einem liberal-konser­v­a­tiven Bündnis, um dann 2025 erneut zu trium­phieren. Einzig in Ungarn schien Viktor Orbáns „illib­erale Demokratie“ lange stabil – bis ihn Péter Magyar im April nach 16 Jahren aus dem Amt drängte.  

Dieses Schwanken galt lange als Spezi­fikum postkom­mu­nis­tischer Staaten. Mittler­weile zeigen in vielen Teilen Europas sich ähnliche Prozesse. Wurden also nur Entwick­lungen vorweggenommen, die inzwischen als allge­meine Krisen­symptome der liberalen Demokratie gelten? Mit der Veranstal­tungsreihe möchten wir ein differen­ziertes Bild der dortigen gesellschaft­spoli­tischen Entwick­lungen zeichnen und die Ursachen dieser Pendel­be­we­gungen beleuchten: Welche Bedeutung haben regionale Beson­der­heiten? Was sind gesam­teu­ropäische Trends? Dazu nehmen wir sozio-ökonomische Faktoren und historische Erfahrungen ebenso in den Blick wie den Einfluss des russischen Angriff­skriegs gegen die Ukraine.