Von der Schocktherapie zum Wirtschaftswunder?
Datum: 16. November 2026
Zeit: 13:00–14:30 Uhr (Einlass ab 12:45)
Ort: Zentrum Liberale Moderne, Reinhardtstraße 15, 10117 Berlin
Für die Beantwortung dieser Frage lohnt ein Blick in die Visegrád-Staaten, wo radikale Transformationen von realsozialistischer Plan- zur freien Marktwirtschaft in Rekordtempo vollzogen wurden, allen voran mit der polnischen „Schocktherapie“. Zwar besserte sich die Lage der Wirtschaft daraufhin stetig, auch dank des EU-Beitritts der Länder, dem Zugang zum Binnenmarkt und der Ansiedlung westeuropäischer Unternehmen, die die Region wegen des niedrigeren Lohnniveaus als verlängerte Werkbank nutzten. Die steigende Wirtschaftsleistung setzte sich aber nur langsam in höhere Einkommen um. Sozialleistungen und Renten blieben lange auf niedrigem Niveau. Populistische Kräfte nutzten und nutzen dies, um mit staatlichen Interventionen und Sozialpolitik Punkte zu machen.
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Die Reihe
Liberalismus – Konservatismus – Populismus in Ostmitteleuropa
Politische Konfliktlinien und Wandel der politischen Kultur in den Visegrád-Staaten Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn
Die politische Verortung der Visegrád-Staaten (V4) und ihrer Gesellschaften zwischen Liberalismus, Konservatismus und autoritärem Populismus ist schwierig. Die politischen Mehrheiten pendeln seit Jahren mit meist knappen Mehrheiten dazwischen. In Polen besiegte dieliberale Bürgerplattform 2023 die nationalkonservative PiS. Die Präsidentschaftswahl 2025 gewann dann jedoch der Kandidat der PiS. In der Slowakei kehrte Linksnationalist Robert Fico 2023 nach fünf Jahren an die Macht zurück. Die tschechischen Populisten Partei ANO unterlagen 2021 einem liberal-konservativen Bündnis, um dann 2025 erneut zu triumphieren. Einzig in Ungarn schien Viktor Orbáns „illiberale Demokratie“ lange stabil – bis ihn Péter Magyar im April nach 16 Jahren aus dem Amt drängte.
Dieses Schwanken galt lange als Spezifikum postkommunistischer Staaten. Mittlerweile zeigen in vielen Teilen Europas sich ähnliche Prozesse. Wurden also nur Entwicklungen vorweggenommen, die inzwischen als allgemeine Krisensymptome der liberalen Demokratie gelten? Mit der Veranstaltungsreihe möchten wir ein differenziertes Bild der dortigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen zeichnen und die Ursachen dieser Pendelbewegungen beleuchten: Welche Bedeutung haben regionale Besonderheiten? Was sind gesamteuropäische Trends? Dazu nehmen wir sozio-ökonomische Faktoren und historische Erfahrungen ebenso in den Blick wie den Einfluss des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.


