Parla­men­ta­ri­sches Frühstück: Eckpunkte zur techni­schen Entnahme von biogenem Kohlenstoff

Fotos: Moritz Schauerhammer

Um das Ziel der Klima­neu­tra­lität zu erreichen, ist CO2-Entnahme dringend nötig. Unter anderem ist es möglich, biogenes CO2, das bei der Verbrennung oder Vergärung von Biomasse anfällt, abzuscheiden und zu speichern. Diese unter dem Kürzel Bio-CCS zusam­men­ge­fassten Anwen­dungen finden sich in einer Nische. Im Rahmen eines Parla­men­ta­ri­schen Frühstücks in Koope­ration mit Bellona Deutschland haben wir Potenzial, Heraus­for­de­rungen und Handlungs­emp­feh­lungen für die Skalierung von Bio-CCS diskutiert.

Im Rahmen unserer Arbeit zum Thema Carbon Management und Negative­mis­sionen haben wir gemeinsam mit Bellona Deutschland im Jahr 2025 zwei Exper­tInnen-Workshops zum Thema Bio-CCS umgesetzt und basierend darauf das Policy Paper „Eckpunkte zur techni­schen Entnahme von biogenem Kohlen­stoff“ erarbeitet. Das Papier zeigt unter anderem, warum ökono­mische Anreize bislang unzurei­chend sind und welche Heraus­for­derung es bedeutet, sicher­zu­stellen, dass mit der einge­setzten Biomasse tatsächlich dauer­hafte Netto-Negative­mis­sionen erzeugt werden. Die Diskussion mit den MdBs Julian Joswig (Grüne) und Niklas Kappe (CDU) sowie vielen Expert/​innen aus der Wirtschaft, Wissen­schaft sowie Zivil­ge­sell­schaft zeigte, dass das vergan­genes Jahr verab­schiedete Kohlen­stoff­di­oxid­speicher- und ‑transport-Gesetz lediglich ein Auftakt zu weiteren Schritten sein kann, um CO2-Entnahme in Deutschland ökono­misch und ökolo­gisch sinnvoll zu realisieren.

Strate­gi­sches Vorgehen zur Vermeidung von Zielkonflikten

Die Verfüg­barkeit von nachhal­tiger Biomasse ist für ein Bio-CCS-System in Deutschland der zentrale Engpass. Biomasse wird zunehmend nachge­fragt und es ergeben sich zahlreiche Zielkon­flikte mit Biodi­ver­sität, Ernäh­rungs­si­cherheit und natür­lichen Senken. Dem Prinzip der Kaska­den­nutzung folgend, ist es daher sinnvoll, die Verwendung von biogenen Rest- und Abfall­stoffen zu priori­sieren. Zudem ist eine vollum­fäng­liche THG-Bilan­zierung nötig, die auf belast­baren, projekt­ba­sierten Monito­rings, Reportings, Verifi­ca­tions (MRV)-Systemen fußt. Nötig ist eine konkrete Strategie, die festlegt, für welche Sektoren die zur Verfügung stehende nachhaltige Biomasse verwendet werden soll. Gibt es hier keine politi­schen Vorgaben, wird die verfügbare Biomasse über die Markt­preise verteilt werden und nur dieje­nigen werden einen Zugriff erhalten, die entspre­chend viel Zahlen können.

Kein Zielbild ohne Transformationspfad

Bisher spielen Bio-CCS-Anwen­dungen (etwa Biomethan- und Müllver­bren­nungs­an­lagen mit CO2-Abscheidung und Speicherung und Pflan­zen­kohle) so gut wie keine Rolle in politi­schen Szenarien. Deutlich wurde zudem, dass ein Zielbild allein für den Hochlauf von Bio-CCS-Anwen­dungen nicht ausreicht. Nötig sind staat­liche Förde­rungen, die die hohen Kapital­kosten (mit)finanzieren, aber zugleich keine Dauer­sub­vention darstellen. Auch Fragen der gesell­schaft­lichen Akzeptanz der unter­schied­lichen Anwen­dungen sowie Infra­struk­turen gilt es zu beant­worten. Und, ohne eine CO2-Infra­struktur und unklaren Vergü­tungs­sys­temen, ist es für Unter­nehmen nahezu unmöglich, Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dungen zu treffen.

Es besteht weiterhin viel Diskus­si­ons­bedarf. Unser Papier stellt dafür einen Input dar und dient als Ausgangs­punkt für vertie­fende Diskussionen.
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