Die mili­tä­ri­schen Ambi­tio­nen Chinas – ein Bericht aus Aus­tra­lien

Peter Jenning vom Australian Strategic Policy Institute (ASPI) berichtet über die Ambitionen in Bereich Militär der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh).
LEE SNIDER PHOTO IMAGES /​ Shut­ter­stock

Die Volks­be­frei­ungs­ar­mee Chinas ist in Teilen des Pazi­fiks den Ver­ei­nig­ten Staaten schon eben­bür­tig. Global betrach­tet liegt China jedoch noch weit hinter der gebün­del­ten mili­tä­ri­schen Über­macht des Westens zurück. Aber der Clou der KPCh liegt darin, durch Sprun­gin­no­va­tio­nen in Berei­chen wie Cyber­space und Welt­raum sich Vor­teile zu ver­schaf­fen, die Nach­teile in kon­ven­tio­nel­ler Rüstung aus­glei­chen. Peter Jen­nings, ehe­ma­li­ger stellv. Staats­se­kre­tär im aus­tra­li­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium, fasst die mili­tä­ri­schen Ambi­tio­nen der neuen auto­ri­tä­ren Füh­rungs­macht zusam­men.

Unter Xi Jinping hat die Volks­be­frei­ungs­ar­mee ihren Moder­ni­sie­rungs­kurs fort­ge­setzt. Viele große, schlecht aus­ge­rüs­tete Armee­ein­hei­ten wurden ver­klei­nert und die Ent­wick­lung von Fähig­kei­ten im Welt­raum und im Cyber­space hin­sicht­lich Marsch­flug­kör­pern und bal­lis­ti­schen Raketen sowie bei den Luft- und See­streit­kräf­ten wurden mit Hoch­druck vor­an­ge­trie­ben.

Im Rahmen der soge­nann­ten „mili­tä­risch-zivilen Inte­gra­tion“ hat die KPCh For­schung und Ent­wick­lung an Uni­ver­si­tä­ten weit­ge­hend mili­ta­ri­siert, um den Prozess der Moder­ni­sie­rung der Ver­tei­di­gung zu unter­stüt­zen. Ein großer Teil der Geheim­dienst­tä­tig­kei­ten Chinas besteht darin, in den Besitz geis­ti­gen Eigen­tums aus west­li­chen Quellen zu gelan­gen, um die Ent­wick­lung mili­tä­ri­scher Fähig­kei­ten vor­an­zu­trei­ben.

Der mili­tä­ri­sche Geheim­dienst Aus­tra­li­ens gibt an, dass die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben Chinas im Jahr 2018 166,3 Mrd. USD betru­gen. Die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben stiegen in den ver­gan­ge­nen 24 Jahren kon­ti­nu­ier­lich, wobei sich die Zunahme ver­lang­samt hat und noch 1,2 Prozent des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes beträgt. Zum Ver­gleich: 2018 betru­gen die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben der USA 649 Mrd. USD, die Japans 49 Mrd. USD und die Aus­tra­li­ens 32 Mrd. USD.[i] (Aller­dings wird ein großer Teil der chi­ne­si­schen Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben für For­schung und Ent­wick­lung sowie die Ent­wick­lung mili­tä­ri­scher Aus­rüs­tun­gen nicht offi­zi­ell bekannt­ge­ge­ben. Die Aus­ga­ben Chinas für die innere Sicher­heit liegen weit über denen für Ver­tei­di­gung.)

Portrait von Peter Jennings

Peter Jen­nings ist Exe­cu­tive Direc­tor des Aus­tra­lian Stra­te­gic Policy Insti­tute und ehe­ma­li­ger stell­ver­tre­ten­der Staats­se­kre­tär für Stra­te­gie im aus­tra­li­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium

Es ergibt sich das Bild einer sich schnell moder­ni­sie­ren­den Armee, die all­mäh­lich mili­tä­ri­sche Fähig­kei­ten in bein­dru­cken­dem Umfang gewinnt. Damit wird eine tief­grei­fende Ver­än­de­rung der Kräf­te­ver­tei­lung mit chi­ne­si­scher Domi­nanz um die Grenzen Chinas herum, in der For­mo­sa­straße (auch Tai­wan­straße genannt) und im Bereich des Ost- und Süd­chi­ne­si­schen Meeres in Gang gesetzt. Global gesehen ist China den USA und ihren Ver­bün­de­ten mili­tä­risch nicht eben­bür­tig und wird dies auch in den kom­men­den unge­fähr fünf Jahren nicht werden.

Was ist das stra­te­gi­sche Ziel der Volks­be­frei­ungs­ar­mee und welche Rolle spielt sie höchst­wahr­schein­lich im Denken Xi Jin­pings? Viele Aspekte der mili­tä­ri­schen Pla­nun­gen Chinas und seiner Füh­rungs­am­bi­tio­nen sind unklar, aber es gibt auch vieles, was öffent­lich bekannt ist, z.B. aus Reden Xis, chi­ne­si­schen mili­tä­ri­schen Fach­zeit­schrif­ten und Zei­tun­gen und offi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen der Kom­mu­nis­ti­schen Partei Chinas (KPCh) und der Volks­be­frei­ungs­ar­mee. Wenn man dieses Mate­rial liest und die Stärken und Schwä­chen der mili­tär­tech­ni­schen Fähig­kei­ten Chinas kennt, bekommt man eine recht gute Grund­lage für die Ein­schät­zung der Pläne Chinas.

Ich erkenne fünf Haupt­auf­ga­ben der Volks­be­frei­ungs­ar­mee.

Die Volks­be­frei­ungs­ar­mee festigt die Macht der KPCh im Land

Zum Ersten besteht die wich­tigste Rolle der Volks­be­frei­ungs­ar­mee darin, die Kon­trolle Xi Jin­pings über die KPCh und die Volks­re­pu­blik China zu gewähr­leis­ten.

Prä­si­dent Xi hat die Füh­rungs­riege der Volks­be­frei­ungs­ar­mee einer Säu­be­rung unter­zo­gen. Von ihm per­sön­lich ernannte Offi­ziere domi­nie­ren jetzt in allen Füh­rungs­po­si­tio­nen der Streit­kräfte. Xi hat die eins­tige Über­fülle der Macht der regio­na­len Mili­tär­kom­man­dos sowie der Haupt­quar­tiere von Armee, Marine, Luft­streit­kräf­ten und Rake­ten­trup­pen ein­ge­schränkt.  Damit wurde seine direkte Kon­trolle gestärkt. Xi stellt sich selbst nicht nur als poli­ti­schen Ober­kom­man­die­ren­den, sondern auch als Mili­tär­kom­man­deur für ope­ra­tive Akti­vi­tä­ten dar. Er hat klar­ge­stellt, dass die Volks­be­frei­ungs­ar­mee die Mili­tär­macht der KPCh ist, nicht die des chi­ne­si­schen Staates.

Die Dar­stel­lung der mili­tä­ri­schen Stärke der Volks­be­frei­ungs­ar­mee betont Xis Anspruch, den „chi­ne­si­schen Traum“ eines ver­jüng­ten Landes, das über einen „beschei­de­nen Wohl­stand“ verfügt und inter­na­tio­nal eine füh­rende Rolle spielt, zu erfül­len.[ii] Xi tritt oft bei Mili­tär­pa­ra­den und Übungen – manch­mal in Uniform – in Erschei­nung. Zeit­ge­nös­si­sche chi­ne­si­sche Filme und Fern­seh­pro­gramme fördern die Vor­stel­lung von einem mili­tä­risch starken China, dass nicht mehr von äußeren Mächten gede­mü­tigt wird und die Fähig­keit besitzt, „Chi­ne­sen im Ausland“ vor Insta­bi­li­tät zu schüt­zen und stra­te­gi­sche Inter­es­sen Chinas durch­zu­set­zen.

Im Inland stellt Xi den Umgang Chinas mit dem Virus COVID-19 als einen Krieg des Volkes dar und benutzt mili­tä­ri­sche Ana­lo­gien, um öffent­li­che Unter­stüt­zung für dras­ti­sche Maß­nah­men, mit denen die Aus­brei­tung des Virus ver­lang­samt werden soll, zu erhal­ten. Anfang März 2020 sagte Xi „bio­lo­gi­sche Sicher­heit sollte als wich­ti­ger Teil der natio­na­len Sicher­heit betrach­tet werden“.[iii] Ins­ge­samt gesehen bleibt die Volks­be­frei­ungs­ar­mee ein bedeu­ten­des Mittel für die Mobi­li­sie­rung natio­na­lis­ti­scher Gefühle des Volkes. Sie spielt im Kata­stro­phen­fall eine bedeu­tende Rolle als Erst­hel­fe­rin und ist bei Bedarf ein Instru­ment für die soziale Kon­trolle überall in China und arbei­tet dann mit inlän­di­schen Sicher­heits­kräf­ten zusam­men.

Chinas regio­nal­po­li­ti­sche Agenda

Zum Zweiten spielt die Volks­be­frei­ungs­ar­mee eine bedeu­tende Rolle bei der Ver­fol­gung chi­ne­si­scher Inter­es­sen in Gebie­ten, wo Grenz­strei­tig­kei­ten mit Nach­bar­län­dern bestehen. Die Stra­te­gie der KPCh ist aus­ge­klü­gelt. Beijing nutzt Diplo­ma­tie, Handel und Inves­ti­tio­nen, geheim­dienst­li­che Tätig­kei­ten und mili­tä­ri­sche Macht, um wich­tige lang­fris­tige Ziele zu errei­chen und ist auch äußerst geschickt darin, tak­ti­sche Chancen zum Errei­chen kurz­fris­ti­ger Ziele zu nutzen, wenn es die Umstände gestat­ten. Wich­tige Ziele im näheren Umfeld Chinas sind unter anderem fol­gende:

  • diplo­ma­ti­sche Iso­la­tion Taiwans bei gleich­zei­ti­ger Her­stel­lung einer Über­le­gen­heit von Luft‑, See- und Rake­ten­streit­kräf­ten in der For­mo­sa­straße. Beijing hofft, dass durch Nöti­gung dem Wunsch Taiwans nach Unab­hän­gig­keit Einhalt geboten werden kann, will aber auch auf eine zwangs­weise Ver­ein­nah­mung des Landes mit mili­tä­ri­schen Mitteln vor­be­rei­tet sein.
  • Schwä­chung der Ent­schlos­sen­heit bedeu­ten­der Ver­bün­de­ter der USA in der Pazi­fik­re­gion, im Kon­flikt­fall den Bünd­nissver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men.
  • Spal­tung der zehn süd­ost­asia­ti­schen Mit­glie­der der ASEAN, um ein ver­ein­tes regio­na­les Agieren in Sicher­heits­an­ge­le­gen­hei­ten zu ver­hin­dern.
  • Schaf­fung wirt­schaft­li­cher Abhän­gig­kei­ten, die die Fähig­keit der Länder in der Region, sich der regio­na­len poli­ti­schen und stra­te­gi­schen Domi­nanz Chinas zu wider­set­zen, unter­gra­ben.
  • Stär­kung der Fähig­kei­ten der Volks­be­frei­ungs­ar­mee zur Trup­pen­sta­tio­nie­rung und ‑ent­sen­dung, um gegen jeden poten­ti­el­len regio­na­len Gegner bestehen zu können, was die mili­tä­ri­schen Pla­nun­gen der USA für Trup­pen­ak­ti­vi­tä­ten im west­li­chen Pazifik ver­kom­pli­ziert.

Ein wesent­li­cher Bestand­teil der Stra­te­gie Chinas war die 2014 begon­nene kühne und schnelle Errich­tung von drei Luft- und Mari­ne­ba­sen in den umstrit­te­nen Gewäs­sern des Süd­chi­ne­si­schen Meeres. In west­li­chen Reak­tio­nen wurde der stra­te­gi­sche Wert dieser Basen, die das stra­te­gi­sche Gleich­ge­wicht in Süd­ost­asien ver­än­dert und die Posi­tion der USA und ihrer Ver­bün­de­ten geschwächt haben, unter­trie­ben.[iv]

Chinas Vor­be­rei­tun­gen für einen Krieg mit den USA

Zum Dritten wird die Volks­be­frei­ungs­ar­mee opti­miert, um die Ver­tei­di­gungs­fä­hig­kei­ten Chinas weit über die soge­nannte erste Insel­kette, die südlich von Japan über Taiwan, die Phil­ip­pi­nen und das Süd­chi­ne­si­sche Meer bis zur Straße von Malakka ver­läuft, zu erwei­tern. Chinas bedeu­tendste Inves­ti­tio­nen in seine Ver­tei­di­gungs­fä­hig­kei­ten sind so gestal­tet, dass ame­ri­ka­ni­sche Streit­kräfte und die ihrer Ver­bün­de­ten soweit wie möglich von dieser ersten Insel­kette weg­ge­drängt werden. Oberste Prio­ri­tät genie­ßen hierbei Raketen – sowohl bal­lis­ti­sche als auch mit luft­at­men­den Antrie­ben ver­se­hene – als Schiffs­ab­wehr­waf­fen, Anti-U-Boot-Waffen, Über­schall­waf­fen und Luft­ver­tei­di­gungs­waf­fen mit ver­grö­ßer­ter Reich­weite. China ist daran inter­es­siert, den Zugang seiner mit bal­lis­ti­schen Raketen aus­ge­rüs­te­ten U‑Boote durch die Eng­stel­len in der ersten Insel­kette hin­durch zu den tiefen Gewäs­sern des Pazi­fiks sicher­zu­stel­len.[v]

Auch hier ver­bin­det die chi­ne­si­sche Stra­te­gie poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che und stra­te­gi­sche Ziele. Das Inter­esse Chinas an der Ent­wick­lung enger diplo­ma­ti­scher und mili­tä­ri­scher Bezie­hun­gen zu den Insel­staa­ten im Pazifik und im Indi­schen Ozean ergibt sich aus dem lang­fris­ti­gen Inter­esse an der Mög­lich­keit, Mili­tär­ba­sen in diesen Ländern ein­zu­rich­ten. Als Vor­be­rei­tung auf eine solche Ent­wick­lung ver­sucht die Volks­be­frei­ungs­ar­mee, ihre Präsenz im wei­te­ren indo-pazi­fi­schen Raum durch Flot­ten­be­su­che und Ver­tei­di­gungs­schu­lun­gen und ‑übungen zu einem „nor­ma­len“ Zustand zu machen.

Globale Inter­ven­tio­nen

Zum Vierten ent­wi­ckelt China beträcht­li­che Expe­di­ti­ons­corps der Volks­be­frei­ungs­ar­mee, die seine mili­tä­ri­sche Reich­weite in den Indi­schen Ozean hinein und bis an die Küsten des Nahen Ostens und Afrikas sowie in den Zen­tral­pa­zi­fik erwei­tern. Chinas an Bedeu­tung zuneh­mende Rolle bei der Frie­dens­si­che­rung in Afrika und bei der Bekämp­fung der Pira­te­rie am Horn von Afrika sowie gemein­same Manöver mit Part­nern welt­weit zielen alle darauf, die Volks­be­frei­ungs­ar­mee mit den für ein glo­ba­les Agieren erfor­der­li­chen Erfah­run­gen und Fähig­kei­ten aus­zu­stat­ten, Bezie­hun­gen mit anderen Ländern auf­recht­zu­er­hal­ten und einen neuen Anspruch glo­ba­ler Ver­tei­di­gungs- und Sicher­heits­in­ter­es­sen Chinas zu doku­men­tie­ren. Beijing hat ein großes Inter­esse daran gezeigt, Stel­lun­gen zu bezie­hen, die eine Eva­ku­ie­rung soge­nann­ter „Aus­lands­chi­ne­sen“ aus so weit ent­fern­ten Risi­ko­re­gio­nen wie Libyen und den Salo­mo­nen ermög­li­chen. Über diese Aspekte hinaus strebt die Volks­be­frei­ungs­ar­mee danach, Ein­fluss in allen Teilen der Welt aus­zu­üben, von der Arktis bis zur Ant­ark­tis, durch  Mili­tär­ma­nö­ver mit Russ­land im Ost­see­raum, in West­russ­land und am Kas­pi­schen Meer.

Das Enga­ge­ment Chinas im Ausland dient der Stüt­zung des von Beijing erho­be­nen Anspruchs, eine Welt­macht mit glo­ba­len Inter­es­sen zu sein und eine Stimme zu haben, die gehört wird. Die chi­ne­sisch-rus­si­schen Bezie­hun­gen werden aus einer Reihe von Gründen immer wich­ti­ger, dar­un­ter der Trans­fer rus­si­scher Mili­tär­tech­no­lo­gie und der Wille, sich gegen­sei­tig bei Akti­vi­tä­ten in völ­ker­recht­li­chen und poli­ti­schen Grau­zo­nen zu unter­stüt­zen. Unter­schiede in der lang­fris­ti­gen Stra­te­gie der Partner werden im Inter­esse der För­de­rung einer aus tak­ti­scher Sicht nütz­li­chen Zusam­men­ar­beit in den Hin­ter­grund gestellt.[vi]

Sprun­gin­no­va­tio­nen in den Berei­chen Welt­raum, Cyber­space und Kern­waf­fen

China hat ein starkes stra­te­gi­sches Inter­esse daran, seine mili­tä­ri­schen Fähig­kei­ten auf den Welt­raum, den Cyber­space, Kern­waf­fen und sämt­li­che Berei­che der von Xi Jinping in seinem Plan „Made in China 2025“ auf­ge­führ­ten Berei­che der Hoch­tech­no­lo­gie aus­zu­deh­nen. Es handelt sich dabei um einen Fahr­plan zum Errei­chen welt­wei­ter Füh­rungs­po­si­tio­nen in Berei­chen wie z.B. künst­li­cher Intel­li­genz, auto­no­mer Systeme und Robo­ter­tech­nik.[vii] Im Rahmen der soge­nann­ten „mili­tä­risch-zivilen Inte­gra­tion“ hat die KPCh For­schung und Ent­wick­lung an Uni­ver­si­tä­ten weit­ge­hend mili­ta­ri­siert, um den Prozess der Moder­ni­sie­rung der Ver­tei­di­gung zu unter­stüt­zen. Ein großer Teil der Geheim­dienst­tä­tig­kei­ten Chinas besteht darin, in den Besitz geis­ti­gen Eigen­tums aus west­li­chen Quellen zu gelan­gen, um die Ent­wick­lung mili­tä­ri­scher Fähig­kei­ten vor­an­zu­trei­ben. [viii]

Chinas Inter­esse an der Ent­wick­lung von Fähig­kei­ten für die Krieg­füh­rung im Welt­raum und im Cyber­space hängen mit der stra­te­gi­schen Absicht zusam­men, die Stärke poten­ti­el­ler Gegner durch asym­me­tri­sche Vor­teile aus­zu­glei­chen. Während einige der inter­es­san­te­ren Ent­wick­lun­gen der mili­tä­ri­schen Fähig­kei­ten Chinas diesen Ansatz wider­spie­geln, z.B. Satel­li­ten­ab­wehr­sys­teme, wird der Reich­tum und das stärker wer­dende Bewusst­sein der eigenen Macht auch zu grö­ße­ren Inves­ti­tio­nen in iko­nen­hafte Rüs­tungs­gü­ter wie z.B. Flug­zeug­trä­ger führen. In einigen Fällen ent­wi­ckelt China mili­tä­ri­sche Fähig­kei­ten, einfach weil es dazu in der Lage ist – gleich­gül­tig, ob dies aus der Sicht moder­ner Stra­te­gie noch sinn­voll ist oder nicht.

Schluss­fol­ge­run­gen

China hat in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten beein­dru­ckende Fort­schritte bei der Moder­ni­sie­rung seiner Streit­kräfte gemacht, die deren Fähig­kei­ten zur Ver­tei­di­gung, Ent­sen­dung von Streit­kräf­ten und zu Aktio­nen im Cyber­space, zur See und in der Luft wesent­lich ver­bes­sern. Die Moder­ni­sie­rung der Streit­kräfte ist Teil einer breiter ange­leg­ten Politik, mit der China nach Stär­kung seiner inter­na­tio­na­len Posi­tion in allen Berei­chen strebt. Das über­ge­ord­nete Ziel Xi Jin­pings besteht darin, die Ver­ei­nig­ten Staaten und ihr Bünd­nis­sys­tem als ent­schei­den­den Ver­mitt­ler für die Gewähr­leis­tung der Sicher­heit im indo-pazi­fi­schen Raum zu ver­drän­gen. Auf glo­ba­ler Ebene strebt die KPCh danach, eine stra­te­gi­sche Füh­rungs­macht zu werden, die ihre eigenen Regeln für das Auf­tre­ten auf inter­na­tio­na­lem Parkett fest­legt. Beijing ist nicht mehr bereit, die ihm nach dem letzten Welt­krieg zuge­wie­sene Rolle als pas­si­ver Beob­ach­ter zu akzep­tie­ren, auch wenn es selbst viel­leicht am stärks­ten von diesem System pro­fi­tiert hat.

Die Volks­be­frei­ungs­ar­mee hat ihre Fähig­kei­ten so stark ver­bes­sert, dass ein Umkip­pen der stra­te­gi­schen Kräf­te­ver­tei­lung im Bereich der For­mo­sa­straße und Süd­ost­asi­ens fast erreicht ist. China liegt jedoch noch weit hinter der gebün­del­ten mili­tä­ri­schen Über­macht der Ver­ei­nig­ten Staaten und erst recht der USA gemein­sam mit ihren Ver­bün­de­ten zurück. Darüber hinaus musste sich die Volks­be­frei­ungs­ar­mee bisher kaum im Einsatz bewäh­ren und das von der KPCh domi­nierte Kom­mando- und Kon­troll­sys­tem scheint kaum dafür geeig­net, mit dem Tempo moder­ner Krieg­füh­rung Schritt zu halten. Es gibt auch wich­tige Gebiete, auf denen die aus­ge­zeich­ne­ten For­schungs­ein­rich­tun­gen Chinas noch kei­nes­wegs das Niveau derer in demo­kra­ti­schen Staaten erreicht haben und noch viel weiter davon ent­fernt sind, sie zu über­ho­len, dar­un­ter sind die Tarn­kap­pen- und die Sen­sor­tech­no­lo­gien.

[i] Defence Intel­li­gence Orga­ni­sa­tion, (Depart­ment of Defence, Aus­tra­lia), Defence Eco­no­mic Trends in the Asia-Pacific 2019. (DIO Refe­rence Aid 19–502.) https://www.defence.gov.au/dio/documents/DET_19.pdf

[ii] Siehe: https://www.chinadaily.com.cn/china/Chinese-dream.html.

[iii] An Baijie, ‘Xi calls for acce­le­ra­ted vaccine push’ China Daily 3. März 2020. Siehe: https://www.chinadaily.com.cn/a/202003/03/WS5e5d65dba31012821727bb59.html

[iv] Siehe Peter Jen­nings, ‘The Inter­na­tio­nal Com­mu­nity and the Stra­te­gic Balance in the South China Sea’, S. 50–60 in Murray Hiebert & Gregory Polling (Hrsg.) Exami­ning the South China Sea Dis­pu­tes

Papers from the Fifth Annual CSIS South China Sea Con­fe­rence. (CSIS, Washing­ton DC, Sep­tem­ber 2015.) https://csis-prod.s3.amazonaws.com/s3fs-public/legacy_files/files/publication/151110_Hiebert_ExaminingSouthChinaSea_Web.pdf.

[v] Siehe Peter Jen­nings, ‘Lea­dership requi­res courage in the Pacific’ The Weekend Aus­tra­lian 14. April 2018. Zu finden unter: https://www.aspi.org.au/opinion/leadership-requires-courage-pacific.

[vi] Siehe Paul Dibb How the geo­po­li­ti­cal part­nership between China and Russia threa­tens the West (ASPI, Can­berra, 29. Novem­ber 2019.) https://www.aspi.org.au/report/how-geopolitical-partnership-between-china-and-russia-threatens-west.

[vii] Siehe: Max J. Zeng­lein and Anna Holz­mann, ‘Evol­ving Made in China 2025: China‘s indus­trial policy in the quest for global tech lea­dership’. MERICS (Mer­ca­tor Insti­tute for China Studies, Berlin, Juli 2019.) https://www.merics.org/en/papers-on-china/evolving-made-in-china-2025.

[viii] Siehe Alex Joske, The China Defence Uni­ver­si­ties Tracker, (ASPI, Can­berra, 25. Novem­ber 2019). https://www.aspi.org.au/report/china-defence-universities-tracker.

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