Ukrai­ni­sches Biomethan: Ein ökono­mi­sches und ökolo­gi­sches Win-Win-Projekt

Foto: Imago

Ukrai­ni­sches Biomethan bietet die Chance, Klima­schutz, Versor­gungs­si­cherheit und wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit zusam­men­zu­denken: Während Europa seine Abhän­gigkeit von fossilem Gas reduzieren muss, kann die Ukraine zu einem wichtigen Partner für erneu­erbare Gase werden. Das Potenzial ist groß – und der Ausbau könnte beiden Seiten erheb­liche Vorteile bringen.  Eine Analyse von Ralf Fücks für das Fachge­spräch der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag: „Poten­ziale klima­freund­licher Gase“.

Aktuell verbrauchen die EU-Länder etwa 400 Milli­arden Kubik­meter fossiles Gas im Jahr, davon immer noch ca. 50 Milli­arden Kubik­meter aus Russland. Das ist weder klima­po­li­tisch noch geostra­te­gisch haltbar. Wie können wir die Abhän­gigkeit von Erdgas und LNG möglichst rasch reduzieren? Vor allem durch die Steigerung der Energie­ef­fi­zienz, die Elektri­fi­zierung der Gebäu­de­wärme und von Indus­trie­pro­zessen und nicht zuletzt durch die Substi­tution von Erdgas durch „grüne Gase“, v. a. Wasser­stoff, Biogas und Biomethan. Statt sie gegen­ein­ander auszu­spielen, sollten wir alle diese Optionen parallel verfolgen. Insbe­sondere im Gebäu­de­sektor und in der Industrie, aber auch im Schwer­last­verkehr und in der Schiff­fahrt werden gasförmige Energie­träger noch auf lange Zeit dominieren.

Biomethan kann einen wichtigen Beitrag für eine sichere und klima­freund­liche Energie­ver­sorgung in Deutschland und der EU liefern. Die Union hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Biome­than­einsatz von derzeit fünf Milli­arden Kubik­metern pro Jahr bis 2030 auf 35 Milli­arden zu steigern. Das erfordert den Ausbau heimi­scher Kapazi­täten sowie das Hochfahren von Importen aus verläss­lichen Partnerländern.

Die Ukraine sieht Biomethan als strate­gische Ressource für ihre Energie­un­ab­hän­gigkeit und die Integration in den europäi­schen Energie­markt. Der Export von Biomethan ermög­licht zusätz­liche Einkom­mens­quellen im Agrar­sektor und dringend benötigte Export­erlöse – auch schon vor einem Ende des Krieges.

Aufgrund der großen landwirt­schaft­lichen Flächen und des hohen Aufkommens an biolo­gi­schen Reststoffen besteht ein hohes Biome­than­po­tenzial der Ukraine – ohne in Konflikt mit der Produktion von Getreide und anderen Nahrungs­mitteln zu geraten. Die ergie­bigsten stoff­lichen Ressourcen für Biomethan sind
• Ernte­ab­fälle (46,1 %),
• Maissilage (31,7 %),
• tierische Abfälle (8,8 %),
• Abfälle der Lebens­mit­tel­in­dustrie (7 %) sowie
• organische Siedlungs­ab­fälle (6,3 %).

Dazu kommt, dass infolge des Krieges große Agrar­flächen konta­mi­niert sind und noch lange Jahre nicht für die Nahrungs­mit­tel­pro­duktion genutzt werden können, wohl aber für den Anbau von Energie­pflanzen.
Nach vorläu­figen Schät­zungen kann die Ukraine bis 2050 rund 22 Milli­arden Kubik­meter Biomethan pro Jahr erzeugen. Konser­vative Hochrech­nungen für 2030 liegen bei etwa einer Milliarde Kubikmeter.

Aktuell sind sechs Biome­than­an­lagen in Betrieb mit einer Gesamt­ka­pa­zität von etwa 110 Millionen m³ pro Jahr. Im letzten Jahr führte die Ukraine erstmals Biomethan in größerem Umfang in die EU aus – 11,2 Millionen m³ gasför­miges Biomethan wurden über das Pipelinenetz expor­tiert. Zusätzlich wurden etwa 5.900 Tonnen Bio-LNG per Lkw geliefert.

Etliche neue Biome­than­an­lagen sind im Bau oder geplant, einschließlich einer 24-Millionen-Kubik­meter-Bio-LNG-Anlage (verflüs­sigtes Biomethan) in Winnyzja.
Die ukrai­nische Biome­than­pro­duktion kann rasch hochge­fahren werden, weil die Infra­struktur bereits vorhanden ist. Es gibt ein engma­schiges Netz an Pipelines, das bis in entlegene Dörfer reicht. Für den Export nach Westeuropa kann das vorhandene Ferngasnetz genutzt werden.

Mit der Skalierung der Produktion werden die Kosten sinken. Sobald der Weg in die EU frei ist, wird auch auslän­di­sches Kapital in diesen Sektor fließen. Deutsches Ingenieur-Know-how und Anlagen­technik sind bereits in die ukrai­nische Biome­than­pro­duktion eingebunden.

Hinder­nisse für den Hochlauf des Exports sind v. a. die regula­to­ri­schen Restrik­tionen auf Seiten der EU und der Mitglieds­länder sowie die ausste­hende Synchro­ni­sation der Zerti­fi­zie­rungs­ver­fahren. Ein wichtiger Schritt war die Einführung des Biome­than­re­gisters durch die ukrai­nische staat­liche Energie­agentur. Dieses digitale System ermög­licht die Regis­trierung, Verifi­zierung und Rückver­folgung von Biome­than­mengen von der Produktion bis zum Endver­brauch. Als Nächstes muss die Integration dieses Systems in die European Union Database folgen.

Fazit: Biomethan aus der Ukraine ist eine klima­freund­liche Alter­native zu Erdgas und LNG. Unser Bedarf ist groß genug, damit sich einhei­mische Produ­zenten und Importe aus der Ukraine nicht ins Gehege kommen. Dass ukrai­ni­sches Biomethan aufgrund günstiger Stand­ort­be­din­gungen zu relativ günstigen Kosten erzeugt werden kann, liegt im Interesse der Verbraucher.

Für die Ukraine ist Biomethan ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Export­erlöse und zur Integration in den europäi­schen Binnen­markt. Diesen Weg freizu­machen ist gerade jetzt ein wichtiges politi­sches und psycho­lo­gi­sches Signal an dieses vom Krieg gebeu­telte Land.

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