Cafe Kyiv 2026

Fotos: Tobias Kunz

Cafe Kyiv hat sich im fünften Jahr der russi­schen Großin­vasion längst als das größte europäische Veran­stal­tungs­format für Unter­stüt­ze­rInnen der Ukraine etabliert. Auch diesmal war Libmod mit verschie­denen hochka­rä­tigen Panels dabei, die zentrale politische, wirtschaft­liche und sicher­heits­po­li­tische Fragen im Kontext des russi­schen Angriffs­krieges beleuchteten.

Gemeinsam mit Exper­tinnen und Experten aus Politik, Wissen­schaft, Militär und Zivil­ge­sell­schaft wurde disku­tiert, wie Europas Unter­stützung für die Ukraine strate­gisch, nachhaltig und wirkungsvoll ausge­staltet werden kann. Ein kurzer Einblick in unsere vier Veranstaltungen:

Panel: Wahlen unter Beschuss – Wie russische Desin­for­mation Demokratien ins Visier nimmt

Russland nutzt Desin­for­mation strate­gisch, um in Europa Wahlen zu beein­flussen und Demokratien zu desta­bi­li­sieren. Die Veran­staltung bot Einblicke aus den Front­staaten Europas: In der Ukraine wird die Legiti­mität der Regierung infrage gestellt, Georgien erlebt demokra­ti­schen Rückschritt. Moldau wehrte zuletzt einen Unter­wan­de­rungs­versuch ab, Armenien steht vor offenen Drohungen aus Moskau. Auch in Deutschland gewinnen pro-russische Narrative vor den Landtags­wahlen 2026 an Einfluss. Anhand von Fallstudien analy­sierten wir Muster, Unter­schiede und neue Trends und disku­tierten, wie Deutschland seine demokra­tische Wider­stands­fä­higkeit stärken kann.

Wir danken unseren Panelisten Bohdan Danyliv, Mariam Hoveyan, Sergi Kapanadze, Gründer, Dr. Arndt von Loring­hoven, Sanda Sandu sowie Moderator Florian Binder.

Buchvor­stellung: „Die übersehene Nation – Deutschland und die Ukraine seit dem 19. Jahrhundert“

Zusammen mit dem Histo­riker Martin Schulze Wessel disku­tierten wir, warum die Ukraine in Deutschland über Jahrzehnte hinweg vor allem durch ein „russi­sches Paradigma“ wahrge­nommen wurde – und welche politi­schen Fehlan­nahmen daraus resultierten.

Im Zentrum stand die Forderung, die Ukraine als eigen­ständige politische Nation zu begreifen. Die lange Fokus­sierung der deutschen Erinne­rungs­kultur auf Russland habe dazu beigetragen, imperiale Konti­nui­täten und Ambitionen Moskaus zu unter­schätzen. Die Diskussion machte deutlich: Histo­ri­sches Wissen ist keine akade­mische Neben­sache, sondern Grundlage für eine realis­tische und wehrhafte europäische Außen­po­litik. Eine souveräne Ukraine zu unter­stützen, erfordert ein diffe­ren­ziertes Verständnis ihrer Geschichte und Identität.

Neben Buchautor Martin Schulze Wessel sprachen Marie­luise Beck sowie Olivia Kortas. Moderation hatte Simon Schlegel.

Panel: Wie lassen sich die Finan­zie­rungs­be­darfe der Ukraine während und nach dem Krieg sicheren?

Gemeinsam mit Berlin Economics disku­tierten wir die Frage, wie die jährliche Finan­zie­rungs­lücke von rund 50 Milli­arden Euro geschlossen und zugleich langfristige Stabi­lität geschaffen werden kann.

Zentrale Erkenntnis der Diskussion: Sicher­heits­ga­rantien sind die wichtigste Inves­tition und häufig kosten­ef­fi­zi­enter als rein finan­zielle Hilfen, da sie private Inves­ti­tionen ermög­lichen und Märkte stabi­li­sieren. Die Debatte um die Nutzung einge­fro­rener russi­scher Vermö­gens­werte kam zu dem Schluss, dass die Risiken für europäische Finanz­märkte im Vergleich zu den Kosten einer ukrai­ni­schen Niederlage häufig überschätzt werden.

Ein weiterer Schwer­punkt lag auf der Inter­na­tio­na­li­sierung der Unter­stützung. Neben der Europäi­schen Union müssten Partner wie Norwegen, Kanada oder Japan stärker einge­bunden werden. Zudem gelte es, das Narrativ zu verändern: Die Ukraine sei nicht nur Empfän­gerin von Hilfen, sondern ein künftiger indus­tri­eller Kernraum Europas.

Dank an unsere Panelisten Robin Wagener, Garry Poluschkin, Inna Sovsun und Iana Okhri­menko. Ralf Fücks moderierte die Diskussion.

Panel: Vertei­di­gungs­kom­mu­ni­kation – Der Krieg um Aufmerk­samkeit, der Kampf um die Wahrheit

Im Fokus der Diskussion stand die Dimension moderner Kriegs­führung. Gemeinsam mit dem Techno­lo­gie­un­ter­nehmen Quantum Systems erörterten wir, warum Vertei­di­gungs­kom­mu­ni­kation heute eine strate­gische Kernkom­petenz ist. In Zeiten, in denen moderne Kriege nicht nur auf dem Schlachtfeld statt­finden, sondern ebenso in sozialen Netzwerken, Parla­menten und öffent­lichen Debatten wichtig sind, kann proaktive, werte­ba­sierte und fakten­ba­sierte Kommu­ni­kation – teilweise als „Offence Commu­ni­cation“ beschrieben – entscheidend dazu beitragen, demokra­tische Gesell­schaften zu mobili­sieren und Desin­for­mation entgegenzutreten.

Um gesell­schaft­liche Resilienz zu stärken, brauche es mehr ukrai­nische Stimmen in europäi­schen Debatten – von Soldaten über Exper­tinnen bis hin zu Kultur­schaf­fenden. Entscheidend ist auch die Rolle von Künst­licher Intel­ligenz: Während autoritäre Staaten KI für Manipu­lation und psycho­lo­gische Opera­tionen einsetzen, biete sie Demokratien zugleich Instru­mente zur Erkennung von Desin­for­mation und zur strate­gi­schen Kommu­ni­kation. Geschwin­digkeit, Trans­parenz und Abstimmung wurden als zentrale Prinzipien glaub­wür­diger Kommu­ni­kation hervorgehoben.

Unser Dank geht an Valentyna Shapovalova, Oleksandr Zhylyayev, Krista-Marija Läbe, Mykyta Puz sowie an Modera­torin Olivia Kortas.

 Fazit

Die Veran­stal­tungen zeigten eindrucksvoll, wie eng wirtschaft­liche Stabi­lität, histo­ri­sches Bewusstsein und strate­gische Kommu­ni­kation mitein­ander verwoben sind. Ob es um nachhaltige Finan­zie­rungs­mo­delle, die Neube­wertung histo­ri­scher Narrative oder die kommu­ni­kative Vertei­di­gungs­fä­higkeit Europas geht – deutlich wurde, dass die Unter­stützung der Ukraine nicht nur eine langfristige Inves­tition in Europas Sicherheit, Stabi­lität und Zukunft bedeutet.

Textende

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