Auch in Russland hatte Hitler zahl­reiche willige Helfer

BArch, Bild 183-N0301-503 /​ o.Ang.

Dass es im 2. Weltkrieg nicht nur eine ukrai­ni­sche, sondern auch eine breite russische NS-Kolla­bo­ra­tion gab, passt nicht in Putins Propa­gan­da­bild. Verschwiegen wird auch das Ausmaß sowje­ti­scher Kompli­zen­schaft mit Hitler 1939–41.

In der Propa­gan­da­schlacht um die Ukraine ist oft von der großen Zahl ukrai­ni­scher Kolla­bo­ra­teure die Rede, die sich nach dem deutschen Überfall auf die Sowjet­union im Zweiten Weltkrieg den Invasoren anschlossen und sich an NS-Vernich­tungs­ak­tionen vor allem gegen die jüdische Bevöl­ke­rung beteiligten.

An dieser schau­rigen Bilanz gibt es in der Tat nichts zu mini­mieren oder zu rela­ti­vieren – so wenig wie an der Tatsache, dass ukrai­ni­sche Natio­na­listen im Wind­schatten der deutschen Invasion aus eigenem Antrieb Gräu­el­taten gegen Juden und Polen begingen. Doch ist auch in der west­li­chen Öffent­lich­keit der irrige Eindruck verbreitet, die Mehrheit der Ukrainer oder gar die Ukraine als solche sei mit Nazi­deutsch­land im Bunde gewesen. Geschürt wird er durch die Propa­ganda des Putin-Regimes, das die Geschichts­le­gende vom makel­losen sowje­ti­schen Anti­fa­schismus wieder­be­lebt und seine Aggres­sion gegen die Ukraine als Fort­set­zung des Kampfes gegen die NS-Barbarei erscheinen lassen will.

Gemäß dem Diktum Wladimir Putins, bei der Sowjet­union habe es sich um „das histo­ri­sche Russland unter anderem Namen“ gehandelt, bean­sprucht Moskau die Tradition des Großen Vater­län­di­schen Krieges gegen die NS-Okku­pa­tion für die russische Nation. Die Kräfte, die damals für eine unab­hän­gige Ukraine eintraten, werden demge­gen­über pauschal als „Natio­na­listen“ und „Faschisten“ – in der Kremlter­mi­no­logie austausch­bare Vokabeln – gebrand­markt und der NS-Ideologie zuge­schlagen. Unab­hän­gig­keits­be­we­gungen wie die ukrai­ni­sche, die sich heute dem Vorherr­schafts­an­spruch Moskaus wider­setzen, sollen demgemäß mit der Sugges­tion diskre­di­tiert werden, sie stünden in der Konti­nuität der NS-Kollaboration.

Aller­dings gibt es auch in der Ukraine bedenk­liche Tendenzen zu einer die eigene Vergan­gen­heit glät­tenden, verord­neten Geschichts­po­litik. Ein jüngst verab­schie­detes Gesetz stellt nicht nur das Zeigen kommu­nis­ti­scher und natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Symbole unter Strafe, sondern – nach schwam­migen Kriterien – auch eine über­zeich­nend negative Darstel­lung ukrai­ni­scher natio­na­lis­ti­scher Orga­ni­sa­tionen im Zweiten Weltkrieg.

In Wirk­lich­keit aber hat die Ukraine neben Weiß­russ­land von allen Natio­na­li­täten der Sowjet­union am schlimmsten unter der Terror­herr­schaft der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Besatzer gelitten. Das ukrai­ni­sche Terri­to­rium war wie das weiß­rus­si­sche zu 100 Prozent besetzt, das Gebiet des heutigen Russlands zu etwa zehn Prozent. Weit davon entfernt, von der NS-Führung als eine verbün­dete Nation betrachtet zu werden, galt ihr die Ukraine als Objekt rück­sichts­loser Ausplün­de­rung und Ausbeutung.

Wie die Russen wurden auch die Ukrainer der NS-Rassen­ideo­logie gemäß als „slawische Unter­men­schen“ einge­stuft, die entweder zur Vernich­tung oder Verskla­vung vorge­sehen waren. NS-Führer wie Hermann Göring erwogen gar, jeden Ukrainer über 15 Jahre töten zu lassen. Tatsäch­lich wurden Millionen ukrai­ni­sche Zivi­listen von den Deutschen ermordet, dem Hungertod preis­ge­geben, in Konzen­tra­ti­ons­lager gesperrt oder zur Zwangs­ar­beit ins Deutsche Reich verschleppt. „Im Laufe des Krieges“, schreibt der Histo­riker Richard Overy, „lieferte die Ukraine mehr als vier Fünftel aller Zwangs­ar­beiter aus dem Osten.“ Diese Verbre­chen betrafen wohl­ge­merkt die nicht­jü­di­sche Bevöl­ke­rung der Ukraine. Nicht einge­rechnet sind darin die 1,5 Millionen ukrai­ni­schen Juden, die im Holocaust ermordet wurden. Hundert­tau­senden ukrai­ni­schen Kolla­bo­ra­teuren stehen ungefähr drei Millionen ukrai­ni­sche Soldaten gegenüber, die in den Reihen der Roten Armee gefallen sind. Etwa 250.000 Ukrainer kämpften zudem in den Streit­kräften der West­al­li­ierten. Ukrai­ni­sche Natio­na­listen bekriegten mal zusammen mit den Deutschen die Sowjets, dann wiederum die NS-Besatzer, und wurden ihrer­seits von diesen unbarm­herzig verfolgt.

So sehr aber die wirkliche Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg von der Kreml­pro­pa­ganda verfälscht wird, so konse­quent lässt sie die Tatsache aus, dass es ebenso eine umfang­reiche russische Kolla­bo­ra­tion gegeben hat. Im Westen Russlands, rund um die Stadt Lokot, ließ die deutsche Besat­zungs­macht im Spät­herbst 1941 sogar die Einrich­tung eines „Selbst­ver­wal­tungs­be­zirks“ unter selbst­stän­diger russi­scher Verwal­tung und mit eigenen russi­schen Poli­zei­kräften zu. Seit Januar 1942 wurde diese „Republik Lokot“ von dem Kolla­bo­ra­teur Bronislaw Kaminski geführt, in dessen ausge­dehntem Macht­be­reich 1,7 Millionen Einwohner lebten. Seine „Selbst­ver­tei­di­gungs­miliz“ bekämpfte mit extremer Bruta­lität sowje­ti­sche Parti­sanen, bis sie ange­sichts der vorrü­ckenden Roten Armee im Herbst 1943 das Gebiet räumen musste und von den Deutschen nach Weiß­russ­land evakuiert wurde. Auch dort wütete sie unter dem Vorwand der „Parti­sa­nen­be­kämp­fung“ grausam gegen die Zivilbevölkerung.

BArch, Bild 101I-297‑1704-10 /​ Karl Müller

Im Westen, Belgien /​ Frank­reich.- Sowje­ti­sche Frei­wil­lige der Russi­schen Befrei­ungs­armee (Wlassow-Armee); PK 698

Auf Befehl Heinrich Himmlers kam die „Kaminski-Brigade“ schließ­lich bei der Nieder­schla­gung des von der polni­schen Heimat­armee orga­ni­sierten Warschauer Aufstands im August und September 1944 zum Einsatz. Nach dem Ende der Kämpfe wurde die über­le­bende Warschauer Bevöl­ke­rung vertrieben und die polnische Haupt­stadt dem Erdboden gleich­ge­macht. Die Schergen Kaminskis massa­krierten und plün­derten dabei derart exzessiv, dass dies sogar deutschen Stellen unan­ge­nehm aufstieß. Aus nicht ganz geklärten Gründen wurde Kaminski schließ­lich von der SS hinge­richtet. Dies geschah gewiss nicht aus huma­ni­tären Erwä­gungen. Eher ist wahr­schein­lich, dass sich Kaminski an Beute vergriffen hatte, die von der SS selbst bean­sprucht wurde.

Die Reste der „Kaminski-Brigade“ wurden nun in die soge­nannte Russische Befrei­ungs­armee (ROA) des ehema­ligen sowje­ti­schen Generals Andrej Wlassow einge­glie­dert. Wlassow, der sich 1941 noch bei der Vertei­di­gungs­schlacht der Roten Armee um Moskau hervor­getan hatte und als Günstling Stalins galt, geriet im Juli 1942 bei Leningrad in deutsche Gefan­gen­schaft. Dort bot er den Deutschen an, unter russi­schen Kriegs­ge­fan­genen und anti­so­wje­ti­schen Kräften in den besetzten Gebieten Kämpfer für eine russisch-natio­na­lis­ti­sche Streit­macht zu rekru­tieren. Tatsäch­lich kam es im Dezember 1942 in Smolensk zur Gründung eines „Russi­schen Befrei­ungs­ko­mi­tees“ durch den inzwi­schen frei­ge­las­senen Wlassow. Hitler persön­lich hegte jedoch eine grund­sätz­liche Abneigung dagegen, „minder­ras­sige“ Slawen in den deutschen Reihen Krieg führen zu lassen. So ließ er erst im September 1944 zu, dass Wlassow eine Truppe mit zehn Grena­dier­di­vi­sionen, einem Panzer­ver­band und eigenen Luft­streit­kräften aufstellen und aufseiten der Wehrmacht zum Einsatz bringen konnte.

Kurz vor Kriegs­ende wechselte Wlassows Kolla­bo­ra­teurs­truppe aber noch einmal die Seiten. Anfang Mai 1945 brach in Prag ein Aufstand zur Befreiung von der noch immer anhal­tenden deutschen Okku­pa­tion aus. Als die Waffen-SS ihn nieder­schlagen wollte, wendeten sich die etwa 20.000 Mann der Wlassow-Armee, die an der Seite der Deutschen den sowje­ti­schen Vormarsch aufhalten sollte, gegen sie. Offenbar speku­lierten sie darauf, sich so den Ameri­ka­nern empfehlen zu können, die soeben Pilsen einge­nommen hatten.

Vor dem Eintreffen der Roten Armee in Prag setzten sich die Wlassow-Leute in Richtung der ameri­ka­ni­schen Linien ab – in der absurden Hoffnung, von diesen womöglich zwecks eines Einsatzes in einer kommenden Konfron­ta­tion mit der Sowjet­union aufge­nommen zu werden. Doch sie fielen der Roten Armee in die Hände. Im August 1946 wurde Wlassow in der Sowjet­union nach schweren Folte­rungen in einem Geheim­ver­fahren zum Tode verur­teilt und gehängt.

Doch nicht nur auf mili­tä­ri­schem, sondern auch auf ideo­lo­gi­schem Gebiet fanden sich zahl­reiche russische Helfer, die sich für die Zwecke der NS-Besatzer einspannen ließen. So durfte eine „Orthodoxe Mission in den befreiten Gebieten Russlands“ in Zeit­schriften wie „Der Recht­gläu­bige Christ“ und im Radio ihre Botschaft an „die russi­schen Patrioten“ verbreiten, „mit allen Mitteln bei der Vernich­tung der Früchte und Wurzeln des Kommu­nismus“ zu helfen. Bei der Zeitung „Für die Heimat“ im nord­west­rus­si­schen Pskow versam­melten sich ehemals lini­en­treue KPdSU-Jour­na­listen, um die Natio­nal­so­zia­listen als Befreier Russlands darzu­stellen. In dem Blatt veröf­fent­lichte etwa der Metro­polit Sergej seine Fürbitte: „Wir beten zum Allmäch­tigen, dass er auch weiterhin Adolf Hitler Kraft und Stärke gibt für den Endsieg über den Bolschewismus.“

Die weit­rei­chendste und folgen­schwerste Kolla­bo­ra­tion mit dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land hatte es jedoch bereits von August 1939 bis Juni 1941 gegeben – und zwar vonseiten des sowje­ti­schen Regimes selbst. Nach dem Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes am 23. August 1939 agierte Moskau faktisch als Verbün­deter des NS-Regimes und seines Krieges. In geheimen Zusatz­pro­to­kollen teilten die beiden tota­li­tären Regime ihre Einfluss­sphären unter­ein­ander auf. Dem Einmarsch der Wehrmacht in Westpolen am 1. September 1939 folgte am 17. September die Besetzung Ostpolens durch die Rote Armee. Am 22. September hielten die beiden Okku­pa­ti­ons­ar­meen in Brest-Litowsk eine gemein­same Sieges­pa­rade ab. In einem Mili­tär­pro­to­koll bot das Kommando der Roten Arme der Wehrmacht an, auf Anfor­de­rung Hilfe­leis­tungen „zwecks Vernich­tung polni­scher Trup­pen­teile und Banden“ zu erbringen.

Entgegen der – mit Berlin abge­spro­chenen – Moskauer Propa­gan­da­lüge, die Rote Armee falle zum Schutz der dortigen Bevöl­ke­rung vor den vorrü­ckenden Deutschen nach Ostpolen ein, wüteten die sowje­ti­schen Truppen und Spezi­al­ein­heiten dort mit syste­ma­ti­schem Terror wie Massen­hin­rich­tungen und Depor­ta­tionen in Konzen­tra­ti­ons­lager gegen die Überreste der polni­schen Armee und die polni­schen Eliten, gegen Grund­be­sitzer und andere poten­zi­elle Gegner der kommu­nis­ti­schen Gleichschaltung.

Das stali­nis­ti­sche Regime wurde nun auch, wie Richard Overy formu­liert, „zum Komplizen des deutschen Anti­se­mi­tismus“. Viele der Tausenden polni­schen Juden, die im sowje­ti­schen Besat­zungs­ge­biet vor der NS-Verfol­gung Zuflucht suchten, wurden zurück­ge­wiesen, woraufhin sie deutsche Grenz­posten unter Feuer nahmen. Andere ins sowje­ti­sche Gebiet geflohene Juden wurden verhaftet und in Arbeits­lager depor­tiert. Darüber hinaus zerstörten die Sowjets in Ostpolen von sich aus die Lebens­welt des jüdischen Schtetl, schlossen unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Religion Synagogen ebenso wie kleine Hand­werks­be­triebe und Markt­stände, die das Rückgrat jüdischen Wirt­schafts­le­bens bildeten. Sabbat und jüdische Feste wurden abgeschafft.

Durch die Absetzung seines jüdischen Außen­mi­nis­ters Maxim Litwinow hatte Stalin Hitler bereits im Frühjahr 1939 das erste Signal für seine Verstän­di­gungs­be­reit­schaft gegeben. Mit der syste­ma­ti­schen Juden­ver­nich­tung durch die Nazis hält die anti­se­mi­ti­sche Politik der Sowjets indes keinen Vergleich aus. Doch war die Tatsache, dass schon im von den Deutschen besetzten Polen der orga­ni­sierte NS-Judenmord begann, für Moskau kein Hinde­rungs­grund, mit ihrem deutschen Gegenüber eine „deutsch-sowje­ti­sche Beute­part­ner­schaft“ zu bilden, wie dies der Histo­riker Daniel Koerfer nennt.

Erst mit dem deutschen Überfall auf die Sowjet­union änderte Stalin scheinbar seine anti­jü­di­sche Haltung, ließ inhaf­tierte Juden frei und gestat­tete ihnen die Abhaltung anti­na­zis­ti­scher Kund­ge­bungen. Als zwei ihrer Orga­ni­sa­toren jedoch die Gründung eines inter­na­tio­nalen jüdischen Bünd­nisses gegen Hitler initi­ieren wollten, ließ sie Stalin vom NKWD aus dem Verkehr ziehen. Einer von ihnen beging im Mai 1942 in der Haft Selbst­mord, der andere wurde ein knappes Jahr später liqui­diert. Stalin rief statt­dessen ein der staat­li­chen Propa­gan­da­be­hörde unter­stelltes Jüdisches Anti­fa­schis­ti­sches Komitee ins Leben, um sich vor der Welt­mei­nung auf diese Weise den Nimbus eines Vorkämp­fers gegen Anti­se­mi­tismus zu verschaffen.

Es ist nicht nur sinnlos, sondern auch verbre­che­risch, einen Krieg zur ‚Vernich­tung des Hitle­rismus‘ zu führen, getarnt als Kampf für die Demokratie.
Wjat­scheslaw Molotow, im Oktober 1939

Dies war er in Wahrheit ebenso wenig, wie das Sowjet­re­gime den ihm von Hitler aufge­zwun­genen Krieg gegen den Natio­nal­so­zia­lismus aus hehren huma­nis­ti­schen Motiven führte. Bis zum Überfall auf die Sowjet­union half Moskau, die deutsche Kriegs­ma­schi­nerie durch massive Rohstoff­lie­fe­rungen wie mittels mili­tä­ri­scher und geheim­dienst­li­cher Zusam­men­ar­beit am Laufen zu halten. Aber auch ideo­lo­gisch schlug sich der Kreml auf die Seite des NS-Regimes. Die Propa­ganda gegen den „Hitler-Faschismus“ wurde einge­stellt und es wurden statt­dessen die West­mächte für den Krieg verant­wort­lich gemacht. So erklärte am 31. Oktober 1939 Außen­mi­nister Molotow vor dem Obersten Sowjet, an die Adresse Englands und Frank­reichs gewandt, es sei „nicht nur sinnlos, sondern auch verbre­che­risch, einen Krieg zur ‚Vernich­tung des Hitle­rismus‘ zu führen, getarnt als Kampf für die Demo­kratie“. Auch die kommu­nis­ti­schen Parteien im Westen mussten diese Kehrt­wende befolgen. Hunderte deutsche und öster­rei­chi­sche Kommu­nisten, die in die Sowjet­union geflohen waren, wurden an die Nazis ausge­lie­fert. Zum Sieg über Frank­reich gratu­lierte Stalin der deutschen Regierung persön­lich mit eupho­ri­schen Worten.

An die russische und sowje­ti­sche Kolla­bo­ra­tion zu erinnern, schmälert in keiner Weise die Leiden der russi­schen Bevöl­ke­rung im Zweiten Weltkrieg und die unge­heuren Opfer, die sie und die Sowjet­armee bei der Nieder­schla­gung des Natio­nal­so­zia­lismus erbracht haben. Ebenso wenig rela­ti­viert es im Geringsten dessen beispiel­lose Mensch­heits­ver­bre­chen. Doch gilt es, der unter groß­rus­sisch-völki­schen Vorzei­chen erneu­erten sowje­ti­schen Geschichts­pro­pa­ganda entge­gen­zu­treten, die diesen Teil der Historie mani­pu­lativ aus dem Gedächtnis löschen will. Wobei es zu aber­wit­zigen Erschei­nungen kommt wie der, dass Führer der prorus­si­schen „Volks­re­pu­bliken“ in der Ostukraine den „Kiewer Faschismus“ zu bekämpfen vorgeben, zugleich aber mit Insignien anti­bol­sche­wis­ti­scher „weißer“ Truppen im Bürger­krieg 1918–21 sowie mit Symbolen der Wlassow-Armee und der „Kaminski-Brigade“ posieren.

Die Kolla­bo­ra­tion ist eine histo­ri­sche Bürde, an der alle einst vom natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land unter­jochten Nationen in Ost und West mehr oder weniger schwer zu tragen haben. Sie eignet sich nicht zur Instru­men­ta­li­sie­rung in aktuellen poli­ti­schen Konflikten – und schon gar nicht zur Begrün­dung impe­rialer Vormacht­an­sprüche, wie sie das heutige russische Regime gegenüber benach­barten Staaten erhebt.


Der Text erschien zuerst in der WELT, 2.6.2015
Richard Herzinger ist Korre­spon­dent für Politik und Gesell­schaft der WELT und WELT AM SONNTAG

 

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