Ist Donald Trump ein Faschist? Warum diese Frage keinen Sinn mehr hat

Es ist zwecklos zu fragen, ob Donald Trump ein Faschist ist. Es erklärt nichts und verschleiert das Eigentliche. Faschismus beginnt nicht mit Ideologie und Symbolen, sondern mit Herrschaftspraktiken, die den Preis des Widerstands erhöhen und Loyalität zur rationalen Überlebensstrategie machen. Trumps zweite Amtszeit zeigt, wie diese Mechanismen in der Praxis wirken, analysiert Jakub Bodziony. Sein Text erschien zunächst bei Kultura Liberalna.
Im sonst eher mittelmäßigen Film Civil War von Alex Garland gibt es eine herausragende Szene. Im Verlauf des Bürgerkrieges festgenommene Journalisten werden von einem Kämpfer vernommen. Dieser Soldat, gespielt von Jesse Plemons, hat gerade einen von ihnen erschossen. Einer der Reporter versucht, die Situation zu schlichten und sagt: „Wir sind Amerikaner.“ Woraufhin der Soldat, am Rand eines Massengrabes stehend, sein Maschinengewehr auf ihn richtet und in lässigem Ton nachfragt: „Okay. Und was für Amerikaner?“ (What kind of American are you?])
In Garlands Welt ist es nebensächlich, wer, wofür und warum kämpft. Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem die Lichter ausgehen und eine neue Ordnung beginnt. Es gibt lediglich eine Reihe kleiner Ereignisse, die jedes für sich noch erklärbar sind: „Verfahren“, „Bedrohung“, „Fehler“, „Selbstverteidigung“. Irgendwann ist es dann nicht mehr aufzuhalten, das Land versinkt in einem brudermörderischen Krieg.
Die Bilder aus Minneapolis erinnern an einen dieser Momente, in denen noch alles erklärt werden konnte.
Die Macht verkündet die Wahrheit
Alex Pretti, 37, Krankenpfleger, filmte mit dem Telefon in der Hand den brutalen Übergriff von Staatsbeamten auf eine Menschenansammlung. Einer der ICE-Beamten setzte mehrfach Pfefferspray ein. Pretti versuchte sich abzuschirmen und einer am Boden liegenden Person beim Aufstehen zu helfen. Da umringten ihn mehrere Beamte und warfen ihn zu Boden. Einer zog ihm die Waffe aus dem Halfter und entfernte sich dann von dem Gerangel. Pretti lag überwältigt am Boden. Da zog ein anderer ICE-Beamter seine Waffe und gab den ersten Schuss ab, aus geringer Entfernung in den Rücken. Kurz darauf kam ein weiterer Beamter hinzu. Insgesamt wurden zehn Kugeln auf den am Boden liegenden Mann abgefeuert. Das Ganze dauerte weniger als eine Minute.
Renée Good, Altersgenossin von Pretti und dreifache Mutter, war wenige Wochen zuvor in derselben Stadt erschossen worden. Ihre letzten Worte, gerichtet an ihren zukünftigen Mörder, waren: „Alles gut, ich bin nicht böse auf dich.“ Nachdem er drei Schüsse aus nächster Nähe auf das wegfahrende Auto abgegeben hatte, lief der ICE-Beamte nicht etwa dem führungslos schlingernden Wagen nach. Er wendete sich ab, sagte: „Blöde Kuh“ [fucking bitch], setzte sich in sein Auto und fuhr davon.
In solchen Situationen wird in der Regel eine bekannte Wortauswahl aktiviert: Protokoll, Ermittlungsverfahren, Untersuchung, Unschuldsvermutung. Nicht so in diesem Fall. Donald Trump und seine Gewährsleute präsentierten die einzige zulässige Interpretation der Ereignisse. Renée Good wurde zur „Inlandsterroristin“, die „gezielt auf den ICE-Beamte zufahren wollte“, Alex Pretti zum „Attentäter“, der „Gesetzeshüter massakrieren“ wollte, obwohl er gar nicht nach seiner legal mitgeführten Waffe gegriffen hatte. Das Ziel war klar: Die Realität definieren, bevor andere es tun. Die Regierung verkündet eine Version der Geschehnisse und überprüft dann, wer es wagt, sie anzuzweifeln.
Schrieb Orwell doch nicht über die Linken?
Viele Jahre diente George Orwell im rechten Lager als Abschreckung: als Metapher für Zensur, Political Correctness und „linken Neusprech“. Mittlerweile suggeriert Trump selbst, man solle nicht glauben, was man auf dem Bildschirm sehe. Der Held des rechten Universums paraphrasiert also Orwells Befund über die Mächtigen: „Die Partei befahl einem, das Zeugnis der eigenen Augen und Ohren zu verwerfen.“
Wenn Aufnahmen also „unvollständig” sind, Zeugen „voreingenommen“ und die Realität „Kontext erfordert“, geht es in Wirklichkeit um das Vorschreiben eines Narrativs. Du musst sehen, was die Regierung sagt, das du siehst. Oder gehen.
Eine Macht, die so agiert, stützt sich nicht auf Institutionen, sondern auf Beziehungen. Was zählt sind Zugang, Wiedererkennbarkeit und öffentlich demonstrierte Loyalität. Verlautbarungen überholen Entscheidungen, und Entscheidungen die Möglichkeit des Widerspruchs. Wer die Version der Ereignisse bestätigt, darf bleiben. Wer sie in Frage stellt, muss sofort gehen. In einer solchen Ordnung wird das Protokoll zum Störfaktor und das Recht zum selektiv eingesetzten Instrument. Entscheidend ist, die von oben gesandten Signalen richtig zu interpretieren und sich so schnell wie möglich anzupassen.
Dieser Logik nach werden die Beamten der Bundesbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) und des Grenzschutzes plötzlich zu mehr als nur einem Dienst, der gegen illegale Einwanderung kämpft. Die Reaktionen der Regierung und ihrer Verbündeten fügten sich zu einem Narrativ, demzufolge Brutalität kein Fehler, sondern ein Mittel ist. Vizepräsident J.D. Vance sagte öffentlich, die Beamten seien durch Immunität vor Strafverfolgung geschützt. Später erklärte er, er habe nicht von „absolutem“ Schutz gesprochen, dennoch war das Signal klar: Wenn die Ziele erreicht werden, ist Verantwortlichkeit relativ.
Die Bundesbehörde ist mehr als nur eine chaotische Truppe „kaputter“, schlecht geschulter Beamter, die gegen illegale Einwanderung kämpfen soll. In der Praxis ist sie ein Instrument systemischer Gewalt. Das ICE und die Grenzschutzbeamten demonstrierten bereits vielfach einen Mangel an Professionalität und Ethik. Das bedeutet jedoch nicht, dass es eigentlich anders sein soll. Es soll so sein, wie es ist.
Es sind Elemente eines Spektakels, das den Widerstand abschrecken, lähmen und in die Schranken weisen soll. Die Wahrheit, die alle auf dutzenden Videomitschnitten sehen konnten, soll als bedeutungslos hingestellt werden. Alle sollen wissen, dass es keine Regeln gibt und niemand sicher ist. Und dass jeder Versuch, die Mächtigen zu kontrollieren, und sei es nur mit einem Telefon in der Hand, am helllichten Tag und mitten auf der Straße mit Erschießung enden kann, und die Täter straflos bleiben.
Die Kamera, die in der liberalen Vorstellung ein Instrument zur Kontrolle der Macht sein sollte, wird zum Element der Inszenierung. Sie zeichnet nicht den Machtmissbrauch auf, sondern das Signal, das die Macht mit ihrer systemischen Gewaltanwendung an die Gesellschaft sendet. Die Aufnahmen sind somit kein Problem, das zum Schweigen gebracht werden muss, sondern eher Stoff zum Nachdenken, ob Widerstand sich lohnt.
Gewalt muss sichtbar sein
Was in Minneapolis geschehen ist, kann man als Missbrauchsserie bezeichnen: Fehler der Beamten, zu aggressives Eingreifen, fatale Entscheidungen, getroffen in Belastungssituationen. Diese Beschreibung lässt die Annahme zu, das Probleme ließe sich durch Verfahrensänderungen, Schulungen oder Personalwechsel beheben. Allerdings deutet in dieser Geschichte nichts darauf hin, dass das System versagt hat.
Im Gegenteil: Alle Rädchen griffen ineinander, schnell, stimmig, ohne zu stocken. Die Schüsse fielen. Das Narrativ wurde verkündet. Die Zweifel entkräftet. Trump erklärt, nur seine eigene Moral setze ihm Grenzen. Und Gregory Bovino, immer überzeugender im Kostüm des Möchtegern-Nazis, ergänzt, die einzigen Opfer seien die Beamten. Gewalt muss also sichtbar und straffrei sein. Wie in Trumps Fall, der seine Wahlniederlage von 2020 nicht akzeptierte und zum Putsch aufrief, und später 1.600 Personen begnadigte, die am Sturm auf das Kapitol teilgenommen hatten. Staatliche Institutionen verschwinden nicht, sondern ändern ihre Rolle: aus der Kontrollinstanz wird eine Ressource.
Diese kann punktuell, selektiv und individuell eingesetzt werden – wenn beispielsweise lokale Machtinstanzen und Dienste von den Ermittlungen ausgeschlossen werden.
Dieses Mittel wird nicht nur im Land, sondern auch außenpolitisch eingesetzt. Gefällt dir nicht? Sieh dich vor, sonst endest du wie Maduro oder gar Chamenei. Du willst kein Stück deines Staatsgebietes abtreten? Dann wird es Zeit für mafiöse Drohungen und Erpressung.
Die weiße Farm
Neben Gewalt und Manipulation gibt es einen weiteren Mechanismus, der Trumps zweite Amtszeit auszeichnet: Der Staat wird zum Familienbetrieb gemacht. Was wir in Europa vor allem auf lokaler Ebene kennen, hat in den Vereinigten Staaten die stereotypisch amerikanischen Ausmaße angenommen. Recherchen der New York Times belegen, dass sich Trump und seine Angehörigen innerhalb eines Jahres um mindestens 1,4 Milliarden Dollar bereichert haben.
Die Einnahmen stammen aus Lizenzen, Vergleichszahlungen aus Klagen gegen Medienunternehmen (die immer häufiger Selbstzensur anwenden), Kryptowährungen, Geschäften im Technologiebereich und Geschenke anderer Regierungen. Allen voran die Boeing 747 im Wert von 400 Mio. Dollar, ein bescheidenes Geschenk der Regierung von Katar, das der Präsident nach dem Ende seiner Regierungszeit behalten möchte.
Das ist weder Zufall noch Nebeneffekt seiner Eitelkeit. Es ist eine simple Botschaft: Zugang zu Macht kostet Geld. Die Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem verliert ihre Bedeutung, wenn der Präsident selbst sein Eigeninteresse zur Staatsräson erklärt.
Ein MAGA-Schild? Auch du kannst eins haben
Der Staat funktioniert scheinbar weiterhin, allerdings wie ein Franchise-Unternehmen. Dieses Franchise bietet keine Sicherheit, höchstens einen ruhigen Moment. Als überflüssig erachtete Institutionen, vor allem, wenn diese Kontrollfunktionen innehaben, werden direkt beseitigt – durch Absetzung konkreter Personen oder Behörden, oder indirekt – durch Budgetkürzungen und Massenentlassungen. Gewinne sind privat, Risiken öffentlich, Loyalität geht vor Recht.
Möchte ein anderer Staatsführer dem Zentrum der Macht näher sein, etwa als Mitglied des Friedensrates, genügt eine Milliarde Dollar. Ansonsten kann man jederzeit ein Sweatshirt aus der Kollektion der Präsidenten-Enkelin Kai Trump kaufen, deren Werbefotos im Garten des Weißen Hauses aufgenommen wurden. Die Institutionen verschwinden nicht, werden aber zunehmend ihrer Eigenständigkeit beraubt und für Belohnung und Bestrafung benutzt. Nach und nach werden sie zu Instrumenten gegen Trumps Rivalen. Sind sie unbequem, setzt man sich einfach über sie hinweg.
Dasselbe Prinzip zeigt sich im Verhältnis der Regierung zu den Medien. Es ist nicht nur der Kampf um das Narrativ und die Einschüchterung durch Klageschriften. Der Zugang der Presse zu Orten, an denen Entscheidungen getroffen werden, wird verwehrt, unerwünschte Redaktionen ausgegrenzt, Akkreditierungen, Visa und Presseausweise nur selektiv gewährt. Journalisten sind nicht mehr Gegner in der Debatte, sondern nur noch logistische Hindernisse. Sind sie nicht vor Ort, gibt es keine Fragen. Keine Fragen, keine Probleme.
Hof ohne König
In dieser Ordnung lernen die Medien, wann man besser keine Fragen stellt; die Beamten, welche Dokumente man besser nicht unterzeichnet; die Politiker – wann man einen Besuch abstattet, huldigt oder besser schweigt. Es zählt nicht, was geschrieben steht, sondern ob man dazugehört.
Die Art der Entscheidungsfindung der Trump-Administration wirkt oft sinnfrei. Vermutlich ist sie das auch in der Praxis, aber diese gefährliche Unordnung hat Methode. Die Politikwissenschaftler Stacie E. Goddard und Abraham Newman nennen diese Herrschaftsform Neoroyalimus. Ein solches System funktioniert wie ein Königshof: Die reale Handlungsmacht liegt in den Händen konkurrierender Klüngel und Cliquen, der Staat wird zur reinen Infrastruktur, die ihre Interessen bedient. Im Gegenzug wird nur Eines erwartet: uneingeschränkte Loyalität, öffentlich und zur rechten Zeit.
Eine dieser Schlüsselcliquen sind heute die Technologie-Oligarchen – ehemals Nutznießer der liberalen Ordnung, deren Normen sie nun immer deutlicher zurückweisen, wenn sie „maskuline Energie“ und Abscheu vor Kontrolle zelebrieren. Die Regulierungspläne der Demokraten missbilligend, unterstützten sie geschlossen Trump und drängten sich bei der Amtseinführung in der ersten Reihe. Das Narrativ der Meinungsfreiheit wird zur bequemen Ausrede für die Verantwortungslosigkeit für das Wirken der Algorithmen.
Die Tech-Plattformen sind in diesem System keine neutralen Vermittler, sondern Verbreitungsmaschinen für Wohlwollen und Wut. Das Kapital macht seine Lobbyarbeit nicht mehr im Geheimen, sondern demonstriert seine Loyalität in aller Öffentlichkeit, wissend, dass es dafür Schutz und Unterstützung erhält.
Das ausgehöhlte Imperium
In einer solchen Welt muss man weder die Pfeiler des Rechtsstaats vernichten, noch die Verfassung ändern. Es genügt, sie auszuhöhlen. Die Fassade bleibt, das Innere wird vereinnahmt. ICE, öffentlich-rechtliche Medien, Gerichtssystem, Regulierungsbehörden, sogar schwächere Staaten mit unvereinbaren Interessen – all diese Institutionen können weiterarbeiten, vorausgesetzt, sie fügen sich in die Logik von Belohnung und Strafe. Tun sie das nicht, wird der Druck erhöht: finanziell, personell, symbolisch. Genügt auch das nicht, kommt Gewalt zum Einsatz.
Trumps Herrschaftssystem ist ein klassischer Hofstaat, es basiert auf direktem Zugang zur Machtinstanz, persönlicher Zuneigung, rivalisierenden Cliquen und ständiger Ungewissheit. Diese Form ist bedeutend älter als der Faschismus, der Trump immer häufiger vorgeworfen wird – und gerade deshalb so wirksam als Vehikel für den Übergang.
In der späten Römischen Republik existierten die Institutionen formal: Der Senat tagte, die Ämter walteten, Recht wurde gesprochen. Die wirklichen Entscheidungen fielen aber im Kreise des Princeps, im Netzwerk der Patronen, Klienten und Vollstrecker. Im Versailles Ludwigs des XIV. wurde der Adel nicht vernichtet, sondern im Palast eingeschlossen und von Audienzen und milden Gesten abhängig gemacht. Die postsowjetischen Autokratien gingen noch weiter: Der Staat blieb auf dem Papier bestehen, die Macht jedoch konzentrierte sich in einem engen Zirkel von Personen, verbunden durch Loyalität, Angst und gegenseitige Erpressung.
Die Frage nach Faschismus ist nutzlos
Der Präsident, der körperlich und psychisch rasant abbaut, ist für diese Frage nebensächlich. Donald Trump muss kein ideologischer Faschist sein, um Bedingungen zu schaffen, die Faschismus ermöglichen. Es genügt, systematisch Grenzen abzubauen: Er untergräbt die Autorität von Institutionen, entwertet Fakten als Bezugspunkte, belohnt Brutalität und Straffreiheit und präsentiert Gewalt als Notwendigkeit. Er überschreitet Grenze um Grenze und bereitet so den Weg für sein bedeutend radikaleres Umfeld sowie potentielle Nachfolger.
Faschismus beginnt mit Herrschaftspraktiken, die schrittweise den Preis des Widerstands erhöhen und Loyalität zur rationalen Überlebensstrategie machen. Daher ist es so grundlegend, dass die Gewalt – auf der Straße, durch die Polizei, in der Verwaltung – hier weder Anomalie noch Systemfehler darstellt, sondern einen Test. Sie soll überprüfen, wer sich unterordnet, wer wegschaut, wer beschließt, dass ihn das nichts angeht. Allgemeine Zustimmung ist gar nicht nötig, es reicht allgemeine Anpassung.
In klassischen Faschismusanalysen finden wir ein wiederkehrendes Motiv: Die Politik hört auf, eine Auseinandersetzung über Interessen und Lösungen zu sein, und wird stattdessen zum Kampf um Dominanz. Es geht nicht mehr darum, wer Recht hat, sondern wer stärker ist. Das Recht verschwindet nicht, doch es wird instrumentalisiert. Medien werden nicht direkt zensiert, sondern lernen selbst, wo die Grenzen sind. Die Regierung verhängt keinen Ausnahmezustand, sondern handelt einfach so, als gelte er bereits.
Ist der Mechanismus schon im Gange?
Die höfische Ordnung leistet hier gute Dienste. Sie zwingt keine Ideologie auf, sondern diszipliniert das Verhalten. Sie erfordert keinen Glauben, nur Loyalität. Sie braucht keinen Massenenthusiasmus, es genügen Angst, Opportunismus und eine Gewinn-Verlust-Rechnung. In einer solchen Ordnung muss Faschismus keine Türen aufsprengen, sie stehen sperrangelweit offen.
Und das ist der grundlegende Unterschied zwischen der Frage, ob Trump ein Faschist ist und derjenigen, die uns heute wirklich interessieren sollte: Kann das System, das er aufbaut, ohne Gewalt, ohne Feind und ohne permanenten Zustand der Mobilisierung funktionieren? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, ist das Etikett nämlich schon bedeutungslos. Der Mechanismus ist bereits im Gange.
Niemand wird das direkt verlautbaren. Dafür wird es weitere „Vorkommnisse“ und „Verfahren“ geben, Entscheidungen, die man noch im Einzelnen erklären können wird. Vorerst.
Eine Regierung, die täglich Stärke, Loyalität und Straflosigkeit demonstrieren muss, tut das nicht aus Selbstsicherheit, sondern weil sie um die Fragilität ihrer Position weiß.
Eine solche Ordnung basiert auf permanenter Anspannung. Sie kollabiert nicht, wenn eine große Rebellion ausbricht, sondern wenn immer mehr Menschen ihre Handlungslogik durchschauen. Kommt dieser Moment zu spät, verliert die Frage nach dem Etikett ihre Bedeutung. Es bleibt nur noch das System, das nach Plan funktioniert. Und Menschen, die gelernt haben, darin zu leben.
Übersetzung aus dem Polnischen: Tina Wünschmann

This article was made possible with support from the Rockefeller Brothers Fund (RBF). The opinions and views of the authors do not necessarily state or reflect those of the RBF.
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