Wo war die Linke vor der sowje­ti­schen Bot­schaft?“

Photo from „CIA Ana­ly­sis of the Warsaw Pact Forces: The Impor­t­ance of Clan­des­tine Repor­ting“

Marie­luise Beck über den getrüb­ten Blick der Linken. Als der War­schauer Pakt den Prager Früh­ling nie­der­schlug, stellte sich der pro­so­wje­ti­sche Teil der Linken gegen den demo­kra­ti­schen Auf­bruch in der Tsche­cho­slo­wa­kei. Heute schei­den sich die Geister an der Ukraine. Wieder übt die anti­li­be­rale Frak­tion Nach­sicht gegen­über der Mos­kauer Agres­sion.

Prag 68: Das ist für mich Jan Palach und der Wen­zels­platz. Das sind Panzer und fas­sungs­lose Men­schen. Man sieht auf ihren Gesich­tern, dass die Hoff­nung auf Frei­heit soeben nie­der­ge­schla­gen wird.

Mich erin­nert Prag 1968 an den getrüb­ten Blick auf die heutige Unab­hän­gig­keits- und Demo­kra­tie­be­we­gung in der Ukraine. Sie ist der Prüf­stein, an dem sich die Geister wieder schei­den.

Die mili­tä­ri­sche Inter­ven­tion einer Groß­macht ist für die Men­schen in Prag nichts Neues.

NS-Deutsch­land erzwang die Zer­schla­gung des Landes, um es schließ­lich kom­plett zu beset­zen. Mit der Wehr­macht und SS kam Rein­hard Tristan Eugen Heyd­rich als stell­ver­tre­ten­der „Reichs­pro­tek­tor in Böhmen und Mähren“. Er war der deut­sche Her­ren­mensch, mit ihm kamen Terror und Tod.

Nach der Nie­der­lage Hit­ler­deutsch­lands kam nicht die Frei­heit. Stalin holte sich „seinen“ Teil Europas. Wieder kamen Unter­drü­ckung, Geheim­dienste, impe­riale Herr­schaft. Die Kom­mu­nis­ti­schen Par­teien der öst­li­chen Länder Europas waren nur Statt­hal­ter.

Portrait von Marieluise Beck

Marie­luise Beck ist eine über Par­tei­gren­zen hinaus geach­tete Außen­po­li­ti­ke­rin mit dem Schwer­punkt Ost- und Süd­ost­eu­ropa.

Wie beschä­mend, dass es vor allem Walter Ulb­richt war, der ein hartes Ein­grei­fen gegen jede frei­heit­li­che Regung in der Tsche­cho­slo­wa­kei ver­langte. Welch eine Tra­gö­die, dass das sowje­ti­sche Impe­rium nach Ost­ber­lin 1953 und Ungarn 1956 erneut die Panzer gegen die Frei­heit rollen ließ.

Wo standen wir? 1968 war auch im Westen ein Jahr des Auf­bruchs. Die linken Stu­den­ten demons­trier­ten gegen Sprin­ger, gegen den ver­meint­li­chen Poli­zei­staat und vor allem gegen die USA. Der Protest gegen den Bom­ben­krieg in Vietnam war berech­tigt. Aber: Wo waren wir, wo war die Linke vor der sowje­ti­schen Bot­schaft in Bonn? Die Soli­da­ri­tät mit den ost­eu­ro­päi­schen Refor­mern hielt sich in Grenzen. Schon damals spra­chen viele dem Kreml das Recht zu, sein „real­so­zia­lis­ti­sches“ Impe­rium als Puffer gegen den „NATO-Impe­ria­lis­mus“ zu ver­tei­di­gen.

Mich erin­nert Prag 1968 an den getrüb­ten Blick auf die heutige Unab­hän­gig­keits- und Demo­kra­tie­be­we­gung in der Ukraine. Sie ist der Prüf­stein, an dem sich die Geister wieder schei­den.

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