Policy Paper: Gesell­schaft­liche Betei­ligung bei Carbon Management

IMAGO /​ Metodi Popow

In einem kurzen Policy Paper haben wir zusam­men­ge­fasst, welche Handlungs­op­tionen bestehen, um Carbon Management gesell­schaftlich tragfähig zu gestalten, und welchen Erwägungen sich Verant­wort­liche in den Kommunen sowie auf Landes- und Bundes­ebene stellen sollten.

Die zuneh­mende Bedeutung der Abscheidung, Speicherung und Wieder­ver­wendung von CO2 sowie Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre ist in der Gesell­schaft bisher wenig bekannt. Es fehlt an Wissen über die verschie­denen Techno­logien, was zu eher negativen Wahrneh­mungen beitragen kann, wie Dr. Christine Merk in unserem Factsheet 2025 heraus­ge­ar­beitet hat. Dieses Infor­ma­ti­ons­de­fizit wird durch das sogenannte Betei­li­gungs­pa­ra­doxon verstärkt: In frühen Planungs­phasen, in denen die Gestal­tungs­spiel­räume noch groß sind, ist das öffent­liche Interesse häufig gering, während die Betei­li­gungs­be­reit­schaft erst dann steigt, wenn Projekte konkret werden. Vor diesem Hinter­grund sowie einem schwin­denden Vertrauen in politische Insti­tu­tionen und deren Handlungs­fä­higkeit erscheint die Ausein­an­der­setzung mit den gesell­schaft­lichen Dimen­sionen von Carbon Management als wichtiger Bestandteil einer langfristig erfolg­reichen Imple­men­tierung neuer Technologien.

Betei­ligung vor Ort reicht nicht aus

Wenn es um die Betei­ligung von Bürge­rinnen und Bürgern bei konkreten Projekten geht, können Betei­ligte viel von Infra­struk­tur­pro­jekten in anderen Bereichen, etwa der Energie­wende, lernen. Frühzeitige Infor­mation, Ansprech­part­ne­rinnen und Ansprech­partner vor Ort, Dialog­ver­an­stal­tungen – hier stehen die Projekt­träger in der Verant­wortung. Ihnen steht eine breite Palette an Maßnahmen zur Verfügung, die für Trans­parenz und Betei­ligung bei allen Infra­struk­tur­pro­jekten gültig sind.

Spezi­fisch für Carbon Management ist jedoch, das CO2 bisher keinen Gegenwert hat und es sich insofern ähnlich verhält wie bei der Müllent­sorgung. Vor allem fehlt es an einer überge­ord­neten politi­schen Vision. Bei Strom­trassen, Gaslei­tungen oder Windparks ist deren Notwen­digkeit inzwi­schen weitest­gehend Konsens. Das ist bei Carbon Management nicht der Fall. Zum einen steht die angekün­digte Strategie der Bundes­re­gierung noch aus, zum anderen fehlt es an Narra­tiven, warum wir Carbon Management brauchen. Ohne eine Art gesell­schaft­lichen Konsens, ohne überge­ordnete Kommu­ni­kation über Carbon Management, die Menschen auch Ängste nimmt, drohen Betei­li­gungs­maß­nahmen vor Ort zu scheitern. Nötig ist eine klare Linie sowohl der Bundes- als auch der Landes­po­litik. Zu einer klaren Linie gehört beispiels­weise: das Festhalten an Klima­schutz­zielen und Defos­si­lierung, das Zusam­men­denken von Klima­schutz und Wirtschaft sowie eine ehrliche Kommu­ni­kation über schwer bzw. unver­meidbare Restemis­sionen, Kosten und drohenden Wertschöp­fungs­verlust. Verant­wort­lichen vor Ort dürfte es dann leichter fallen, das überge­ordnete Interesse zu verdeut­lichen. Denn im Einzelfall ist es durchaus möglich, dass Privat­in­teresse zurück­stehen muss, etwa beim Bau von Pipelines.

Finan­zielle Betei­ligung: ja oder nein?

Die Erfah­rungen mit der finan­zi­ellen Betei­ligung von Kommunen als Standort von Erneu­er­baren Energien zeigen positive Effekte auf die Akzeptanz. Beim Carbon Management ist die Situation jedoch komplexer. Die Betei­ligung von Kommunen als Standorte für Speicher­stätten wäre relativ einfach zu ermitteln. Geht es jedoch um unter­schied­liche Trans­port­in­fra­struktur (Pipeline, Zug, Lkw) wird es komplexer, wer zu betei­ligen ist. Zu bedenken ist auch, dass Umver­tei­lungen bei Infra­struk­tur­pro­jekten nicht der Normalfall sind und sein können, wie etwa der Bau von Strom­trassen zeigt. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass finan­zielle Betei­ligung als das „Erkaufen“ von Zustimmung für etwas „Proble­ma­ti­sches“ verstanden wird. Die Prüfung eines passenden Modells zur finan­zi­ellen Betei­ligung scheint dennoch angebracht.

Das Zeitfenster für gesell­schaft­liche Betei­ligung ist jetzt

Wie bereits beschrieben, ist – dem Betei­li­gungs­pa­ra­doxon folgend – damit zu rechnen, dass Protest dann aufkommt, wenn bereits konkrete Projekte geplant sind. Daher ist es wichtig, bereits jetzt überge­ordnete Dialog­formate zu prüfen und aufzu­setzen. Möglich wäre etwa ein Stake­holder-Gremium analog zur Kohle­kom­mission oder wissen­schaftlich begleitete Bürgerräte. Diskurs­themen könnten die Abwägungen zwischen verschie­denen Zielen sein oder Kosten, Folgen und Risiken unter­schied­licher Carbon-Management-Szenarien sowie Projekt­kri­terien. Auch Formate auf Länder­ebene sind möglich – in Nordrhein-Westfalen werden derzeit bereits gute Erfah­rungen mit Round­table-Formaten gemacht.

Nachfolgend finden Sie unser Policy Paper. Bei den darin genannten Handlungs­op­tionen und Erwägungen handelt sich nicht um eine abgeschlossene Liste. Sollten Sie weitere Beispiele oder Vorschläge haben, wenden Sie sich gerne an uns.

Textende

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