Carbon Management in Süddeutschland – Gemeinsame Lösungen für die Industrie von morgen entwickeln

Trotz regulatorischen Fortschritten steht der industrielle Hochlauf von Carbon Management in Deutschland noch am Anfang. Besonders die süddeutschen Länder mit starker Industrie und langen Wegen zu Offshore-CO2-Speichern stehen vor wichtigen Weichenstellungen. Diese haben wir auf einer gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) organisierten Tagung in München diskutiert.
I. Ausgangslage
Die vom Zentrum Liberale Moderne gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ausgerichtete Tagung nahm Carbon Management als industrie‑, klima- und gesellschaftspolitische Gestaltungsaufgabe in den Blick. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die zentralen Rahmenbedingungen für den Hochlauf in Süddeutschland: Infrastruktur, gesellschaftliche Akzeptanz, Finanzierung und De-Risking sowie eindeutig geregelte politische und planerische Zuständigkeiten von Bund und Ländern.
Zuletzt hat sich der regulatorische Rahmen deutlich weiterentwickelt: Das Kohlendioxid-Speicherungs- und Transportgesetz (KSpTG) ermöglicht inzwischen den kommerziellen Transport und die Speicherung von CO₂ in Deutschland. Auch der Export per Schiff zur Offshore-Speicherung ist rechtlich eröffnet. Zudem können nun CCU- und CCS-Technologien bei überwiegend prozessbedingten oder schwer vermeidbaren Emissionen über CO₂-Differenzverträge gefördert werden. Im deutschen Klimaschutzprogramm wird CCS inzwischen ausdrücklich als relevant für den Wirtschaftsstandort eingeordnet. Zugleich stehen finale Investitionsentscheidungen in Abscheide- und Transportinfrastruktur aus. In Deutschland sind bislang vor allem Pilotanlagen in Betrieb und mit bislang nur 3,5 Millionen Tonnen genehmigter Injektionskapazität ist das EU-Ziel von 50 Millionen Tonnen bis 2030 noch weit entfernt.
Für Süddeutschland verschärft die geografische Lage die Herausforderung. Die potenziellen Offshore-Speicher in der Nordsee liegen weit entfernt, während der Aufbau eines überregionalen Pipelinenetz sieben bis zehn Jahren dauern dürfte und zunächst im Norden und Westen des Landes begonnen wird. Übergangstransporte per Bahn, Schiff oder LKW sind grundsätzlich möglich, verursachen jedoch hohe Kosten und beträchtlichen logistischen Aufwand. Zugleich bestehen in Bayern nach den vorgestellten Analysen jährlich rund zehn Millionen Tonnen unvermeidbare CO₂-Emissionen, während sich innerhalb des Landes voraussichtlich nur etwa zwei Millionen Tonnen nutzen lassen. Damit bleibt eine erhebliche Lücke, die bspw. durch Export oder Onshore-Speicherung geschlossen werden muss.
II. Infrastruktur und Akzeptanz
Die Diskussionen zeigten: Elektrifizierung bleibt dort, wo sie technisch möglich ist, häufig die wirtschaftlich günstigere Option. Für schwer vermeidbare Prozess- und Restemissionen wird CCS jedoch erforderlich sein und in manchen Anwendungsfällen auch gegenüber Defossilisierungsoptionen auf Basis grüner Moleküle kostenseitig konkurrenzfähig sein. Eine ambitionierte Carbon-Management-Strategie setzt daher eine ebenso ambitionierte und verlässliche Klimaschutzpolitik voraus. Ohne ein Festhalten am Ziel der Klimaneutralität und einem festen Bezugsjahr für das Erreichen der Klimaneutralität, verliert CCS an politischer sowie gesellschaftlicher Unterstützung und entsprechende Investitionen werden infrage gestellt – bzw. verteuern sich aufgrund von politischen Unsicherheiten.
Der Pipeline-Transport von CO2 wird perspektivisch klar bevorzugt. Bahn‑, Schiffs- und LKW-Transporte können erste Projekte ermöglichen, eignen sich aufgrund der Entfernung zu den Küstenstandorten und der Belastung der Logistiksysteme jedoch vor allem als Übergang. Als plausibles Entwicklungsmuster zeichnete sich ein schrittweiser Aufbau ab: zunächst regionale Cluster und einzelne Leitungsprojekte, anschließend ein regionales Kernnetz und schließlich die Anbindung an ein deutschlandweites Netz mit Exportoptionen. Die von Bayernets untersuchte technische Machbarkeit einer CO2-Pipeline in Südbayern und die von FfE und vbw skizzierte Netzperspektive zeigen, dass eine süddeutsche Infrastruktur grundsätzlich planbar ist. Auch Baden-Württemberg hat bereits mit ersten Trassenplanungen begonnen. Entscheidend ist jedoch, frühzeitig über Länder- und Staatsgrenzen hinweg zu koordinieren.
Besondere Bedeutung erhielt die Onshore-. Sie könnte Transportwege verkürzen, Kosten reduzieren und eine Brücke bilden, solange der Anschluss an Offshore-Speicher fehlt. Das KSpTG überlässt den Ländern über eine Öffnungsklausel die Entscheidung, ob sie Speicherung an Land zulassen. Davon Gebrauch macht bis dato allerdings lediglich Baden-Württemberg, welches sich im Koalitionsvertrag für die Nutzung der Klausel ausgesprochen hat. Während Rheinland-Pfalz erste Potenziale von rund 120 bis 125 Millionen Tonnen CO₂ abgeschätzt hat, ist das Land Bayern im Rahmen seines CCU/CCS-Aktionsplans noch in der Prüfung der geologischen Potenziale, der Kosten und der Akzeptanz.
Der Konflikt verläuft damit weniger entlang der grundsätzlichen Notwendigkeit von CCS als entlang der Frage, wo und unter welchen Bedingungen gespeichert werden soll. Für Süddeutschland spricht die Kosten- und Zeitperspektive für eine ernsthafte Prüfung regionaler Speicher. Dem stehen politische Zurückhaltung und gesellschaftliche Vorbehalte gegenüber. Frühere Konflikte um Geothermie, Kernkraftwerke und Stromtrassen prägen in Teilen die Wahrnehmung neuer Infrastruktur. wurde deshalb nicht als nachgelagerte Kommunikationsaufgabe, sondern als Voraussetzung der Projektentwicklung verstanden.
Als zentrale Konsenslinie erwies sich, dass Vertrauen nur durch frühe Information, transparente Beteiligungs- und Planungsprozesse sowie eine offene Darstellung von Nutzen, Risiken und Alternativen entstehen kann. Der Erhalt industrieller Wertschöpfung und von Arbeitsplätzen kann die Relevanz von CCS anschaulich machen, darf aber eine nachvollziehbare Begründung der konkreten Infrastruktur nicht ersetzen. Ebenso wichtig ist die erkennbare Begrenzung auf schwer oder nicht vermeidbare Emissionen. Nur wenn Carbon Management in eine glaubwürdige Gesamtstrategie zur Emissionsminderung eingebettet ist, lässt sich der Eindruck vermeiden, CCS solle notwendige Transformationsschritte aufschieben.
III. Projektfinanzierung und De-Risking
Die Beiträge zur Finanzierung machten deutlich, dass technische Machbarkeit allein keine Investitionsentscheidung aus. Für eine finale Investitionsentscheidung werden marktfähige Geschäftsmodelle, verlässliche Zahlungsströme, stabile Regulierung, geeignete Förderinstrumente und eine nachvollziehbare Verteilung der Risiken benötigt. Gerade bei CCS-Projekten treffen hohe Investitionskosten der Abscheidung auf hohe laufende Energiekosten und eine komplexe, voneinander abhängige Wertschöpfungskette. Für die Abscheidung wird ein Energiebedarf von rund 300 Kilowattstunden je Tonne CO₂ genannt; für 2045 geht man von einem zusätzlichen Strombedarf von 36 Terawattstunden beziehungsweise etwa des dann erwarteten Gesamtstrombedarfs aus. Der Ausbau von Netzen und erneuerbaren Energien sowie niedrigere Energiekosten sind damit unmittelbar für die Wirtschaftlichkeit von CCS relevant.
Der Clusteransatz stellt dabei eine Möglichkeit dar, Projekte bankfähig zu machen. Mehrere große Emittenten in geografischer Nähe können Transport- und Speicherinfrastruktur gemeinsam nutzen, Volumen bündeln und Ausfallrisiken über ein Portfolio besser verteilen. Aggregatoren oder spezialisierte CCS-Entwickler können dabei die Abstimmung zwischen Emittenten, Transporteuren und Speicherbetreibern übernehmen. Regulierte Infrastruktur mit offenem Zugang kann verhindern, dass lokale Akteure um knappe Anschlüsse konkurrieren, und stattdessen Kooperation sowie Skaleneffekte ermöglichen.
Der Blick auf ausländische Fördermodelle unterstrich zugleich die Bedeutung einer ausgewogenen Risikoverteilung. Im dänischen CCS-Fonds zogen sich neun von zehn vorqualifizierten Unternehmen zurück; als Gründe wurden strenge Vertragsbedingungen, hohe wirtschaftliche Risiken, fehlende Speicherinfrastruktur, finanzielle Sanktionen und unrealistische Zeitvorgaben genannt. Risiken entstehen insbesondere durch Kostensteigerungen, Verzögerungen beim Bau von Transport- und Speichersystemen, schwankende Abscheide- und Speichermengen, zeitweise Ausfälle, sowie die Gefahr, dass eine Abscheideanlage ohne funktionierenden Transport- oder Speicherweg zum „stranded asset“ wird. Demgegenüber gilt der britische Ansatz als Beispiel dafür, wie die Bankfähigkeit steigen kann, wenn die gesamte Wertschöpfungskette in den Förderrahmen einbezogen wird.
Wichtig ist darüber hinaus, dass für die einzigen Elemente der CO2-Wertschöpfungskette Finanzierungsinstrumente entwickelt werden. Für die Transportinfrastruktur kämen eine Finanzierung nach dem Modell der LNG-Infrastruktur mit staatlicher Risikoabsicherung, ein reguliertes Netzentgeltmodell mit Amortisationskonto nach dem Vorbild des Wasserstoffkernnetzes, direkte Zuschüsse und staatliche Beteiligungen in Frage. Ergänzend kämen Bürgschaften oder Ausfallabsicherungen, First-Loss-Kapital für frühe Projekte und CO₂-Differenzverträge in Betracht. Die novellierten Differenzverträge eröffnen zwar erstmals einen relevanten Förderweg für CCU/S. Die Anforderung, nach vier Jahren mindestens 50 Prozent Emissionsminderung zu erreichen, setzt jedoch voraus, dass Transport und Speicherung rechtzeitig verfügbar sind. Gerade bei einem großen Zementwerk kann die dadurch entstehende Transportmenge bereits einen Pipelineanschluss erfordern. Die nachgelagerte Kette bleibt damit ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Das Carbon Management Forum (CMF) erarbeitet derzeit Vorschläge im Auftrag des BMWE, um ein Modell zur Risikoabsicherung zu entwickeln. Die Ergebnisse dieser Erarbeitung werden noch für dieses Jahr erwartet.
Übereinstimmung bestand darin, dass sich private Akteure an den Investitionen beteiligen müssen, die gegenwärtigen Schnittstellen- und Ausfallrisiken aber nicht vollständig allein tragen können. Kontrovers blieb die Rolle des Staates. Einerseits besteht die Erwartungen des Bundes, dass die Industrie nach der Schaffung des Rechtsrahmens eigenständig investiert und insbesondere die Pipelineinfrastruktur nicht aus dem Bundeshaushalt finanziert wird. Andererseits wurde von den regionalen Akteuren geltend gemacht, dass ohne eine politische Roadmap, Anschubfinanzierung und gezielte Risikoübernahme keine hinreichend belastbaren Geschäftsmodelle entstehen. Auf Länder- und Bundesebene existieren bislang einzelne Instrumente, aber kein umfassender Ansatz zur Mobilisierung privaten Kapitals. Auf EU-Ebene stehen dagegen mit Innovationsfonds, Connecting Europe Facility und der angekündigten Industrial Decarbonisation Bank umfangreiche Finanzierungsrahmen sowie mit dem Net-Zero Industry Act ein strategisches Zielbild zur Verfügung.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Debatte über den Zeitpunkt der Klimaneutralität. Aus Sicht der Finanzierung ist entscheidend, dass das Netto-Null-Ziel verbindlich und dauerhaft bleibt. Eine Verschiebung von 2045 auf 2050 würde nicht nur die erwartete Nachfrage nach CCS verändern, sondern auch Investitionsentscheidungen verteuern oder verzögern. Für Technologien mit langen Planungs- und Bauzeiten können wenige Jahre im internationalen Wettbewerb – etwa mit China – erhebliche Folgen haben. Hinzu kommt, dass niedrigere Einnahmen aus dem Emissionshandel den Klima- und Transformationsfonds schwächen und damit die Finanzierungsspielräume des Staates begrenzen.
Die strategische Schlussfolgerung aus der Debatte lautete daher nicht, sämtliche Risiken zu verstaatlichen. Erforderlich ist vielmehr ein phasengerechtes Risk-Sharing, das klar zuordnet, welche Risiken von Projektentwicklern, Netzbetreibern, Emittenten und Staat beherrscht werden können. Cluster können Volumen bündeln, Schnittstellen koordinieren und Risiken reduzieren, ersetzen aber keinen stabilen regulatorischen und politischen Rahmen.
IV. Bundesländerkooperation und Bund-Land-Synergien
Wichtig ist, dass die CO₂-Infrastruktur sinnvollerweise nur über Landesgrenzen hinweg geplant werden sollte. Emissionsquellen, potenzielle Speicher, industrielle Cluster und Transitrouten liegen in unterschiedlichen Regionen. Baden-Württemberg ist nicht nur Binnenland mit verstreuten industriellen Punktquellen und großer Entfernung zur Küste, sondern potenziell auch Transitland für CO₂ aus Bayern, der Schweiz und Österreich. Entsprechende Verflechtungen erfordern, dass Landesplanungen früh mit Nachbarländern und dem Bund abgestimmt werden.
Baden-Württemberg hat für diese Aufgabe bereits eine institutionelle Struktur geschaffen. Ein 2024 veröffentlichtes Positionspapier ordnet Carbon Management als Baustein der Klimaneutralität bis 2040 und als Beitrag zum Erhalt des Industriestandorts ein, begrenzt den Einsatz auf schwer oder unvermeidbare Prozess- und Restemissionen und bildet die Grundlage eines strukturierten Arbeitsprozesses. Ein gemeinsamer Steuerungskreis von Umwelt- und Wirtschaftsministerium bindet Industrieverbände, Wissenschaft und weitere Akteure ein.. Die Landesagentur Umwelttechnik koordiniert die Arbeiten, bündelt Hindernisse und Lösungsansätze und berichtet regelmäßig an die Leitungsebene.
Bayern verfügt mit seinem CCU/CCS-Aktionsplan ebenfalls über einen Maßnahmenrahmen und untersucht Speicherpotenziale sowie ein mögliches Kernnetz. Da die bayrische Regierung allerdings Zweifel an der Notwendigkeit an einer Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts hat, bleibt offen, inwieweit CCS-Projekte dort Realität werden können. Baden-Württemberg ist mit der angekündigten Nutzung der Opt-in-Klausel zur Onshore-Speicherung politisch einen bedeutenden Schritt weitergegangen.
Offen bleibt, wer die Verantwortung für die länderübergreifende Koordination trägt. Die Länder erwarten eine stärkere Rolle des Bundes, während der Bund seine Aufgabe eher in der Unterstützung von Vorhaben der Unternehmen und Länder als in einer zentralen Steuerung sieht. Diese Differenz ist praktisch bedeutsam: Die Trassenplanung muss regional konkretisiert werden, kann aber nur funktionieren, wenn Anschlussrichtungen, Kapazitäten und zeitliche Prioritäten über Landesgrenzen hinweg kompatibel sind. Ohne geklärte Zuständigkeiten drohen nicht nur Verzögerungen, sondern auch Netze, die technisch oder wirtschaftlich nicht rechtzeitig zusammenpassen.
Zugleich wurde deutlich, dass die einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette getrennt geplant und finanziert werden müssen. Abscheideanlagen, Leitungen und Speicher haben unterschiedliche Entwicklungsstände, Investitionszyklen und Risikoprofile. Daraus folgt jedoch keine getrennte politische Steuerung. Vielmehr braucht es eine gemeinsame Gesamtstrategie, die den stufenweisen Aufbau koordiniert und Übergangslösungen zulässt. Regionale Cluster können beginnen, bevor ein vollständiges nationales Netz verfügbar ist; Onshore-Speicher können zeitweise eine Brückenfunktion übernehmen; spätere Verbindungen können Export und Transit ermöglichen.
Zu klären ist, wer eine verbindliche überregionale Roadmap erstellt, wie Bundes- und Landesplanungen zusammengeführt werden und wie die Finanzierung länderübergreifender beziehungsweise grenzüberschreitender Infrastruktur geregelt wird. Auch die unterschiedlichen politischen Positionen zur Onshore-Speicherung erschweren eine einheitliche Netzperspektive. Aus der Diskussion ergibt sich daher die Notwendigkeit einer klaren Arbeitsteilung: Die Länder müssen ihre Emissionsquellen, Cluster, Trassen und Speicheroptionen konkretisieren; der Bund muss einen übergreifenden Rahmen schaffen — dessen Abstimmung am besten vor Abschluss regionaler Planungen beginnen soll.
V. Resümee
Die Tagung in München machte klar, dass Carbon Management in Süddeutschland von einer technologischen Option zu einer konkreten industriepolitischen Aufgabe geworden ist. Der Rechtsrahmen hat sich geöffnet und erste Förderinstrumente stehen bereit. Der entscheidende Schritt liegt nun bei der Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes, das Infrastruktur, Investitionssicherheit, Risikoverteilung, Koordination und gesellschaftliche Akzeptanz zusammendenkt.
Die Gespräche und Beiträge machen erstens deutlich: Süddeutschland benötigt eine eigene, frühzeitig geplante Infrastrukturperspektive. Die Entfernung zu Offshore-Speichern und der voraussichtlich spätere Anschluss an ein nationales Pipelinenetz sprechen für einen schrittweisen Aufbau regionaler Cluster und Kernnetze. Übergangstransporte können erste Projekte ermöglichen, sind aber keine tragfähige Dauerlösung.
Zweitens hängt der Markthochlauf von der gleichzeitigen Entwicklung aller Glieder der Wertschöpfungskette ab. Abscheideanlagen sind nur investierbar, wenn Transport- und Speicherwege verfügbar oder verlässlich zugesichert sind. Fehlende Synchronisierung erzeugt Stranded-Asset-Risiken und verhindert finale Investitionsentscheidungen. Clusteransätze können Volumen bündeln, Schnittstellen koordinieren und Risiken reduzieren
Drittens ist gezieltes De-Risking unverzichtbar. Private Investitionen bleiben die Grundlage, doch Bau‑, Auslastungs‑, Regulierungs- und Totalausfallrisiken übersteigen in der frühen Marktphase vielfach die Tragfähigkeit einzelner Unternehmen. Erforderlich sind verlässliche De-Risking-Instrumente, die nicht nur die Abscheidung, sondern auch die nachgelagerte Kette berücksichtigt.
Viertens muss die föderale Arbeitsteilung präzisiert werden. Die Länder verfügen über die notwendige Nähe zu regionalen Akteuren. Ein funktionsfähiges CO₂-Netz erfordert jedoch überregionale Kompatibilität, abgestimmte Zeitpläne und eine politische Gesamtperspektive. Die ungeklärte Rolle des Bundes ist deshalb kein Detail, sondern ein mögliches Hemmnis für den Infrastrukturaufbau.
Fünftens bleibt Akzeptanz eine strategische Voraussetzung. Sie entsteht nicht allein durch den Verweis auf Klimaschutz oder Arbeitsplätze, sondern durch transparente Verfahren, frühe Beteiligung und eine klare Einordnung von CCS als Instrument für schwer vermeidbare Emissionen. Das Vertrauen in Carbon Management hängt damit auch von der Verlässlichkeit der übrigen Klimaschutzpolitik ab.
Der Zeitbedarf von bis zu zehn Jahren für Leitungs- und Speicherinfrastruktur lässt wenig Spielraum für sequenzielles Vorgehen. Deshalb muss Süddeutschland Planung, Akzeptanzarbeit, regulatorische Klärung und Investitionsvorbereitung parallel vorantreiben. Nur so kann Carbon Management rechtzeitig zur Sicherung industrieller Wertschöpfung und zur Minderung unvermeidbarer Emissionen beitragen.
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