Unser Ziel: Eine würdige Gedenk­stätte für die Opfer von Odesa

LibMod arbei­tet darauf hin, dass am Ort der Ermor­dung der jüdi­schen Bewoh­ner Odesas eine würdige Gedenk­stätte ent­steht. Zurzeit befin­den sich dort Müll­ei­mer, Park­plätze und ein Spiel­platz. Dabei handelt es sich nach jüdi­schem Ver­ständ­nis um einen Fried­hof.

Der Ort in Odesa, an dem in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober 1941 etwa 25.000 Juden ermor­det wurden, ist bis heute kein wür­di­ger Gedenk­ort: Der Platz ist zwi­schen einem Kin­der­spiel­platz, einer Gara­gen­ko­ope­ra­tive, einem Park­platz und einer Bau­stelle auf­ge­teilt. Geprägt wird das Erschei­nungs­bild durch Müll­con­tai­ner.  Das Gelände, unter dem sich auch die Gebeine der Opfer befin­den, ist asphal­tiert.

Nach der Befrei­ung Odesas Ende März 1944 hatten die sowje­ti­schen Behör­den Unter­su­chun­gen vor­ge­nom­men. Ana­ly­sen der Boden­pro­ben ergaben, dass min­des­tens 22.000 Leichen am Ort des Mas­sa­kers liegen mussten. Ein Teil der Gebeine wurde an einen unbe­kann­ten Ort gebracht, der Rest ver­blieb auf dem Gelände. In unmit­tel­ba­rer Nähe des Ortes des Mas­sa­kers wurde direkt nach dem Krieg mit der Errich­tung von Wohn­un­ter­künf­ten begon­nen. Bevor die gesamte Fläche in den 1960er Jahren geebnet und zuge­pflas­tert wurde, hätten Kinder dort mit mensch­li­chen Schä­deln Ball gespielt, berich­ten Anwoh­ner.

Portrait von Marieluise Beck

Marie­luise Beck ist Direk­to­rin Ostmitteleuropa/​​Osteuropa am Zentrum Libe­rale Moderne.

Während der Sowjet­zeit gab es kein Geden­ken an die jüdi­schen Opfer. Es wurde ledig­lich ein Gedenk­stein mit der Auf­schrift „An diesem Ort wurden am 19. Oktober 1941 von den faschis­ti­schen Bestien etwa 25.000 Sowjet­bür­ger leben­dig ver­brannt“. Abge­se­hen davon, dass das Datum nicht stimmte, ließt diese For­mu­lie­rung den Bezug zum Holo­caust bewusst aus, da in der Sowjet­union keine Opfer­gruppe eine Son­der­stel­lung haben sollte.

Eine geschicht­li­che Auf­ar­bei­tung der Ereig­nisse fand nicht statt, auch weil es kein Inter­esse bestand, die ent­schei­dende Betei­li­gung des „sozia­lis­ti­schen Bru­der­lan­des“ Rumä­nien zu the­ma­ti­sie­ren. Auch wegen der durch den Kalten Krieg beding­ten Ost-West-Spal­tung wurden die Gescheh­nisse von deut­scher Seite nicht auf­ge­ar­bei­tet.

Der Ort des Ver­bre­chens in Odesa

Diese Situa­tion änderte sich vor einigen Jahren. 2004 wurde der Gedenk­stein mit einem David­stern ver­se­hen. Eine daneben lie­gende Tafel aus Marmor infor­miert auf Eng­lisch, Ukrai­nisch und Hebrä­isch, dass das Denkmal von der israe­li­schen Repa­tri­ie­rungs­agen­tur Sochnut restau­riert und im Beisein israe­li­scher Sol­da­ten ein­ge­weiht wurde.

Unser Ziel ist, dass der Platz im Dialog mit der Stadt­ver­wal­tung und den Anwoh­nern zu einer Gedenk­stätte umge­stal­tet werden soll. Nach jüdi­schem Ver­ständ­nis handelt es sich um einen Fried­hof. Deshalb ist es wichtig ist, dass es nicht mehr zu einer unan­ge­mes­se­nen Nutzung kommt, etwa als Spiel­platz, Park­platz oder Abstell­ort für Müll­be­häl­ter.

Anfang März 2020 führten wir Gesprä­che mit dem stell­ver­tre­ten­den Bür­ger­meis­ter von Odesa, Pavel Vugel­man, sowie dem stell­ver­tre­ten­den Gou­ver­neur der Region, Vitaliy Svit­schin­sky. Beide ver­spra­chen Unter­stüt­zung. Auch der Ober­rab­bi­ner von Odesa und der Süd­ukraine, Avroom Wolf, befür­wor­tet das Projekt.

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